„Skill!“
Dänisches Geschiss auf Quadrat 43

Jeden Mittwoch ist Hønse-Skidning in Svaneke auf Bornholm – dann wetten Einheimische und Touristen auf das, was bei Dancing Queen und Co. hinten so herunterfällt. Die Buchmacher in dem beschissenen Wettbewerb sind die Svaneker Hühnerhalter Søren Nexø und Jesper Vigel.

DÜSSELDORF. „Skill!“ rufen vereinzelt und eher leise die Frauen und Männer. Eigentlich gehört es sich natürlich nicht, über eine Geschäftsstraße im blitzblanken Svaneke etwas zu schreien, was auf Deutsch mit „Scheiß doch endlich!“ übersetzt werden könnte. Die dänischen Kinder sind da unbefangener, und so kommt es, dass sie lauthals und bis zur Hyperventilation aufgeregt immer dann zum Defäkieren auffordern, wenn Quincey oder Lady oder Dancing Queen eine Ziffer betreten, auf die sie, die Kinder, zuvor gesetzt hatten. Beziehungsweise ihre Eltern.

Die Sache mit dem Scheißen, der Straße von Svaneke, den unflätig schreienden Straßenkindern und den komischen Namensträgern hat folgende Bewandtnis: Jeden Sommermittwochabend und -samstagmittag wird in der Gemeinde Svaneke an der Ostküste der dänischen Insel Bornholm eine ganz besondere Lotterie ausgerichtet, das Hühnerscheißenlotto, auf Dänisch: Hønse-Skidning.

Dazu werden auf der Einkaufsstraße Brænderigæn nacheinander bis zu drei Hühner auf einem drei mal drei Meter umfassenden Feld ausgesetzt, das in 100 nummerierte Quadrate aufgeteilt ist und über das ein brusthoher Drahtkäfig aufgestellt ist.

Irgendwann fällt die Hühnerkacke. Gewonnen hat, wer auf das bekleckerte Planquadrat gewettet hat. Wenn aber mehrheitlich Begrenzungslinien zwischen den Nummern getroffen wurden, dann streichen die „Croupiers“ den Umsatz ein.

Die Svaneker Hühnerhalter Søren Nexø und Jesper Vigel sind gleichsam die Buchmacher in dem beschissenen Wettbewerb, und sie sind an ihren Strohhüten gut auszumachen, von denen Hühnerfedern abstehen. Während der hoch-hagere Søren Nexø Hühnerfutter und Grünzeug vorbereitend über den Parcours streut, erinnert er diesbezüglich an den dänischen Tour-de-France-Fahrer Michael Rasmussen und dessen Nähe zu Doping und Dopingärzten. Die 80 oder 100 Zuschauer und Zocker quittieren es mit dankbarer Selbstironie.

Quincey, das Eröffnungshuhn, lässt sich mit dem Geschiss unerwartet viel Zeit. Die Minuten verrinnen, einige Kinderstimmen klingen bedrohlich heiser vom vielen „Skill, Skill“.

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