Skulptur der Moderne
Geheimnis einer Knienden

Wilhelm Lehmbrucks Bronzeskulptur der „Knienden“ gab schon vor 100 Jahren Rätsel auf. Verkörpert die Figur das Idealbild einer Tänzerin oder eine geliebte Frau? Das Duisburger Lehmbruck-Museum hat sich mit den Inspirationsquellen des Künstlers beschäftigt und kommt zu überraschenden Schlussfolgerungen.
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DuisburgFrüher stand die Bronzeversion der „Knienden“ von Wilhelm Lehmbruck im Park des Duisburger Lehmbruck-Museums. Erst vor einiger Zeit wurde sie aus Angst vor Metalldieben ins Haus geholt. Die überlebensgroße Skulptur in der vieldeutigen Haltung ist sowohl für die Museums-Besucher als auch die flanierenden Duisburger also eigentlich eine alte Bekannte. Dennoch ging es bei der Eröffnung der Ausstellung „100 Jahre Kniende“ zu wie bei einer Blockbuster-Show: Schlangen vor dem Haus, Drängelei.

Den 100. Geburtstag der „Knienden“ nimmt das Lehmbruck-Museum zum Anlass, dieses zentrale Werk seines Namenspatrons und damit dessen gesamtes Schaffen von allen Seiten neu zu beleuchten. Durch die Rekonstruktion des künstlerischen Umfelds der Pariser Entstehungszeit ist eine inhaltlich schlüssige und sinnliche Schau gelungen, die sich als Publikumsmagnet erweist.

Schockierende Körperlichkeit

Der scheue, schwer zu fassende Zauber der Knienden scheint ungebrochen. Bereits vor 100 Jahre gab sie Rätsel auf, schockierte damals sogar und galt in ihrer Körperlichkeit als revolutionär. Ihre neuartige Formsprache wurde als „Vorwort zum Expressionismus in der Skulptur“ verstanden (Theodor Däubler). Mal wurde sie gedeutet als Verkündigungsengel, mal als Maria der Verkündigung. Museumsdirektor Raimund Stecker bezeichnet sie nun jedoch listig als „Mona Lisa der Skulptur des 20. Jahrhunderts“, denn ebenso wie Leonardos rätselhafte Schöne umweht die anmutige Figur mehr als nur ein Geheimnis.

Die Duisburger Ausstellung ist die bislang umfangreichste in der Geschichte des Museums. Kuratiert wurde sie von Marion Bornscheuer. Die Schau nähert sich dem Rätsel der Knienden in drei Kapiteln und stellt sie in ein Umfeld von rund 250 bedeutenden und weltweit entliehenen Exponaten, darunter Leihgaben aus dem Pariser Louvre, dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) bis hin zu einem Gemälde aus einem japanischen Hotel. Die Bronzeversion der Skulptur empfängt den Besucher in der ersten Abteilung, die das Motiv der knienden Figur umkreist und Vorbilder und zeitgenössische Einflüsse zeigt. Darunter finden sich Werke von Aristide Maillol und Bernhard Hoetger sowie Skizzen, Entwürfe und Gemälde von Lehmbruck selbst.

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