Slim-Museum
Zuckerguss für die Kunst

Carlos Slim, der reichste Mensch der Welt, schenkt Mexiko ein formidables Museum. Das Kulturangebot im Soumaya Museum reicht von flämischem Barock und mexikanischer Malerei bis zu Columbus-Briefen.
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Mexiko-StadtWas macht ein Krösus, wenn er nicht weiß, wohin mit seinem Vermögen? Die einen unter den Superreichen spenden große Teile ihres Reichtums. Andere kaufen sich Yachten, Inseln oder Wohnungen in jeder Metropole der Welt. Carlos Slim, der Vermögendste unter den Schwerreichen, spart an solchen Extravaganzen. Der Mann, dem das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" ein Vermögen von 74 Milliarden Dollar zuschreibt, trägt Anzüge von der Stange, fährt seinen Mercedes noch selbst und wohnt seit Jahren in dem gleichen relativ bescheidenen Haus.

380 Rodin-Werke

Slims Kaprize ist die Kunst. Und nun hat der reichste Mensch der Welt seinem Land ein formidables Museum geschenkt, das seit Dienstag fürs Publikum geöffnet hat. Slim sammelt seit Jahrzehnten vor allem europäische, aber auch mexikanische Kunst und stellt sie erstmals in Gänze der Öffentlichkeit zur Verfügung. Seit den sechziger Jahren haben Slim und seine verstorbene Frau Soumaya, deren Namen das Museum trägt, mehr als 60.000 Ausstellungsstücke zusammengetragen. Viel Malerei der Renaissance, ein bisschen Impressionismus, reichlich Moderne, die Crème de la crème der mexikanischen Kunst und als Prunkstück die größte Sammlung des Bildhauers Auguste Rodin außerhalb Frankreichs. Rund 380 Skulpturen des französischen Künstlers hat Slim über die Jahre zusammengetragen. Daneben ist von Cézanne bis Renoir, von Monet bis Manet und van Gogh bis Matisse, von da Vinci bis Dalí, von Diego Rivera und Rufino Tamayo bis Dr. Atl alles vertreten. Die Kollektion ist eine der bedeutendsten Privatsammlungen.

Columbus' Briefe lesen

Neben Gemälden und Skulpturen gibt das Soumaya-Museum auch der weltgrößten prähispanischen Münzsammlung eine Heimat, ergänzt um eine Kollektion historischer Briefe und Dokumente. Besucher können die Briefe der Eroberer Christopher Kolumbus und Hernán Cortés lesen und die Aufzeichnungen der spanischen Könige studieren.

Schillernder Kunst-Container

"Wenn Du Kunst sammelst, musst Du sie teilen", sagte Slim jüngst in einem Interview. Und so entstand für rund 80 Millionen Dollar ein Museum der Avantgarde. Den trichterförmigen Bau, inspiriert in einer Rodin-Figur, hat der Milliardär verdichteten Norden von Mexiko-Stadt errichten lassen. Da wo einst Autofabriken und Lagerhallen dominierten, stehen jetzt die Zentralen der Slimschen Firmen-Imperien Grupo Carso und América Móvil und ein Einkaufszentrum mit lauter Slim-Geschäften. Daneben, wie ein Zuckerguss aus Kunst in Slim City, das Museo Soumaya. Seine Außenhaut zieren 16.000 silbrige Hexagone. Sie sollen nicht nur das Licht, sondern auch die Besucher anziehen.

Der Schwiegersohn als Architekt

Der Architekt Fernando Romero, zugleich Ehemann der Museumsdirektorin und Slim-Tochter Soumaya, nennt sein Werk einen "Kunst-Container". "Ich wollte etwas Außergewöhnliches schaffen, das Kunst und Architektur miteinander verbindet. Herausgekommen ist ein 43 Meter hohes Museum der Moderne, das seine Werke auf sechs thematisch angeordneten Etagen zeigt, die über spiralförmig ansteigende Rampen miteinander verbunden sind.

Prominente Freunde

Zur Einweihung kamen nicht nur Mexikos Präsident Felipe Calderón, sondern auch der kolumbianische Autor Gabriel García Márquez und der US-Moderator Larry King, beides Freunde von Slim. "Das Museum ist vor allem für die Mexikaner gedacht, die sich keine Reise nach Europa leisten können", betonte der mexikanische Milliardär. Besonderen Platz haben im Museum die Renaissance- und Barock-Maler sowie die flämischen Künstler. Lucas Cranach, Brueghel und Rubens, Giovanni Antonio Bazzi, El Greco und Murillo liebt Carlos Slim besonders. Der Kunstfreund erzählt immer wieder, dass das erste Kunstwerk, das er 1966 auf einer Auktion erstand, das Bild eines unbekannten flämischen Künstlers aus dem 16. Jahrhundert war. Es hing viele Jahre in Slims Küche, so sehr mochte er das Werk.

Slim selber äußert sich nicht zum Wert seiner im Soumaya-Museum zusammengestellten Sammlung. Der Co-Direktor Alfonso Miranda schätzt den Wert aber auf rund 700 Millionen Dollar (rund 495 Millionen Euro). Es ist ein Bruchteil des Vermögens, über das der Museumsherr verfügt. Rund die Hälfte seiner 112 Millionen Landsleute hingegen hat nicht ein mal zwei Dollar täglich zur Verfügung. Vermutlich ist daher der Eintritt in den bemerkenswerten Kunst-Container frei.

Klaus Ehringfeld
Klaus Ehringfeld
Handelsblatt / Korrespondent

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