Sotheby's Bilanz 2014: Großaktionäre auf dem Kriegspfad

Sotheby's Bilanz 2014
Großaktionäre auf dem Kriegspfad

Die Umsätze mit Kunst steigen zwar, doch netto bleibt weniger hängen. Auf Sotheby’s Jahresbilanz für 2014 drücken sinkende Einnahmen aus Auktionsgebühren und teure Aufsichtsratsschlachten. Hinzu kommen neue Offensiven unzufriedener Aktionäre.
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LondonSotheby’s kommt nicht zur Ruhe. Nach gemischten Jahresergebnissen sind die Aktionärsaktivisten wieder auf dem Kriegspfad. Über ein Jahr nach der Offensive des Hedgefonds Third Point und seines Chefs Dan Loeb, hat sich der San Francisco Fonds Marcato und sein Gründer Mick McGuire an das Sotheby’s Aufsichtsgremium gewandt und fordert einen Aktienrückkauf von einer halben Milliarde Dollar. Marcato besitzt 9,5 Prozent der Sotheby’s-Aktien, nur einen Bruchteil weniger als Loebs 9,6 Prozent.

Der Trend der Jahresbilanz: wachsende Umsätze, sinkende Profite. Sotheby’s Chef Bill Ruprecht meldete „zweistelliges Wachstum in vielen Schlüsselkategorien“ und schwärmte in der Bilanz-Pressekonferenz von der „unglaublichen Tiefe und Breite von Sotheby’s Expertise“. Aber obwohl die Auktionsumsätze im Jahr um 19 Prozent auf einen Höchststand von 6,1 Milliarden Dollar stiegen (mit Privatverkäufen liegt der Kunstumsatz bei 6,7 Milliarden Dollar, deutlich unter Christie’s Vergleichszahl von 8,4 Milliarden Dollar), sanken die Einnahmen aus dem eigentlichen Auktionsgeschäft trotz aller Sparanstrengungen um 5,5 Prozent. Weder das starke Wachstum im Finanzgeschäft, das um 35 Prozent auf 583 Millionen Dollar anwuchs und einen Bruttogewinn von 33 Millionen Dollar einspielt, noch der „dramatische Anstieg“ von neuen „Online Bietern“ von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr kann das Wettmachen. Versteigern ist immer noch das überwiegende Kerngeschäft.

Erlöse aus Auktionsgebühren gehen zurück

Analysten waren vom starken Wachstum der Kunstumsätze ebenso überrascht wie vom Rückgang des verbleibenden Nettoeinkommens. Auf’s Jahr gesehen ging es von 130 Millionen Dollar in 2013 auf 118 Millionen Dollar in 2014 um 9 Prozent zurück. Pro Aktie war das ein Rückgang des Vorsteuererlöses von 1,88 auf 1.68 Dollar. Hinzu kommt auch, dass Sotheby’s 2015 höhere Unternehmenssteuern zahlen musste als im Vorjahr.

Das Problem ist das alte: Der Konkurrenzkampf im Spitzensegment drückt auf die Margen, weil die Kunsteinlieferer Druck machen und sich lukrative Bedingungen aushandeln können. Der Erlös aus den Auktionsgebühren liegt nur noch bei 14,7 Prozent – gegenüber 15,9 Prozent in 2013. Sotheby’s erhöhte für 2015 seine Auktionsaufgelder. Ruprecht kündigte auch eine Akzentverschiebung in der Geschäftsstrategie an, hinter der vermutlich Loeb stehen könnte: Man will wie Christie’s in Zukunft den Mittelmarkt wieder ernster nehmen. Dort sind die absoluten Gewinne zwar sehr viel niedriger, aber die Profitmargen stabiler und höher.

Dauerkrieg im Aufsichtsrat

Negativ in die Bilanz schlugen aber auch die Extrakosten des Dauerkriegs im Aufsichtsrat. Die Attacke von Daniel Loeb kostete 21.4 Millionen Dollar. 10 Millionen Dollar davon gingen als „Kostenerstattung“ für Loebs Third Point Attacken drauf. „CEO-Trennungskosten“ für den von Lieb durchgesetzten Rückzug Ruprechts schlagen mit 7,6 Millionen Dollar zu Buche.

Das sind Kosten, die sich für die Aktionäre nun auszahlen sollen, indem sie Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre durchsetzen. Marcato-Chef Mick McGuire ist erbost, dass eine von Loeb durchgesetzte Sonderdividende storniert wurde, bis der neue CEO im Sattel ist und seine Unternehmensstrategie definiert hat. Aktionäre würden „willentlich ignoriert“, so McGuire, der wie Loeb argumentiert, Sotheby’s sei überkapitalisiert.

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Mick Mc Guire kritisiert Kapitalreserven

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