Sotheby's
Blaublütige Leidenschaft

Philipp Herzog von Württemberg zog die Strippen bei der Versteigerung von Giacomettis „Gehendem Mann“ aus ehemaligem Commerzbank-Besitz. Er steht auch hinter dem Verkauf der Sammlung Lenz. Jetzt beförderte ihn Sotheby’s zum Chairman für Europa.
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Düsseldorf.Einen absehbaren Karrieresprung hat Philipp Herzog von Württemberg (47) gemacht, als er Anfang November vom Vize zum Chairman von Sotheby’s Europa befördert wurde. Bereits seit 1998 arbeitet der Herzog als Geschäftsführer für Deutschland an der Spitze des amerikanischen Hauses. Von 2004 bis 2007 lebte er in Paris, wo er den Posten des Président Directeur Général  bekleidete und Sotheby’s Frankreich-Geschäft aufbaute. Von Württemberg war der erste ausländische Auktionator, der in Frankreich versteigern durfte.

Mit blauen Augen und blauem Blut brachte Philipp Herzog von Württemberg von Anfang an sehr gute Voraussetzungen für eine Karriere in einem führenden Auktionshaus mit. Hinzu kommt eine Leidenschaft, die jeder kennt, der sich beruflich mit den ästhetischen Dingen des Lebens beschäftigen darf: die Lust oder der Drang, das Objekt, mit dem man sich vertraut macht, am liebsten selber zu kaufen. Als von Württemberg 2008 in Paris die prunkvollen 18. Jahrhundert-Möbel aus der Sammlung Levy versteigerte, sprach er von dieser Leidenschaft. Das sei es, was er als Auktionator oder Experte einem Kunden weitergeben wolle, erklärte er.

Nähe zu wichtigen Sammlungen

Als Möbelexperte fing er 1996 in der Londoner Abteilung für „Continental Furniture“ an, drei Jahre nachdem er sein kunstgeschichtliches Studium mit Promotion abgeschlossen hatte. Danach hat der Mann mit den stahlblauen Augen für Sotheby’s einiges bewegt: So hatte er entscheidenden Anteil bei der Akquise von Alberto Giacomettis Bronzeplastik „L’Homme qui marche I“, die im Februar 2010 in London den Ausnahmepreis für eine Skulptur in Höhe von umgerechnet 74,2 Millionen Euro erzielte. Auch der herausragende Erfolg, den Sotheby’s London zur gleichen Zeit mit der Zero-Sammlung von Anna und Gerhard Lenz verbuchen konnte, geht im Wesentlichen auf das Konto des Herzogs.

Beträchtliche Umsätze generierten auch die Haushaltsauflösungen mehr oder weniger prominenter Adeliger. Mit dem Namen des Herzogs von Württembergs verbinden sich etwa die Hausauktion „Aus deutschen Schlössern“ auf Schloss Monrepos in Ludwigsburg bei Stuttgart (2000) und die „Of Royal and Noble Descent“ und „Crowns & Coronets“-Auktionen von Amsterdam in den Jahren 2001 bis 2007. Von Württemberg war auch als Hauptauktionator maßgeblich am Erfolg des Ausverkaufs im königlichen Haus Hannover (2005) beteiligt.

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