Sotheby's-Kunstauktion: Bacon statt Bundesanleihen

Sotheby's-Kunstauktion
Bacon statt Bundesanleihen

Die Euro-Krise sorgt für Unsicherheiten auf den Finanzmärkten weltweit, die Zinsen sind am Boden. Spitzenkunst aber boomt, zeigt die jüngste Sotheby's-Auktion. In einer Hauptrolle wieder einmal: der deutsche Tabakwarengroßhändler Jürgen Hall.
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Düsseldorf/LondonDer Dienstagabend war ein besonderer Abend in der Bond Street. Nicht nur, dass Sotheby’s 44 von 54 angebotenen Kunstwerken der Nachkriegszeit und der Gegenwart zu ihren Schätzpreisen oder darüber versteigern und damit 74,3 Millionen Pfund Umsatz machen konnte.

Das Besondere war, dass das teuerste Auktionslos des Abends von einem bescheidenen Herrn mit grauem Haar und Brille ersteigert wurde. Jürgen Hall, Tabakwarengroßhändler aus Mönchengladbach, passt so gar nicht in die Glitzerwelt der Contemporary Art.

Und doch ist der über 70-jährige Geschäftsmann immer wieder gern gesehener Gast, investiert er doch Millionenbeträge lieber in Spitzenkunst denn in Bundesanleihen, Aktien oder andere Wertpapiere. Dem Handelsblatt gegenüber vertraute der aufs Gemeinwohl bedachte Kaufmann im Herbst 2012 an, dass er auf den nächsten Ankauf durchaus sparen müsse.

Diese Woche sollte also ein bedeutendes dreiteiliges Bild von Francis Bacon (1909-1992) das Objekt seiner Begierde sein. 13,8 Millionen Pfund (rund 17 Millionen Euro, inklusive Aufgeld) musste Jürgen Hall diesmal gegen einige Konkurrenten aufbringen. Allerdings kauft der Mäzen es nicht für sich selbst, sondern um es einer internationalen Institution zu leihen. Bislang war das Kunstmuseum Bonn das begünstigte Haus. Doch ob auch dieses Werk in Bonn zu sehen sein wird, ist fraglich.

Bislang waren die Ankäufe jeweils mit Stephan Berg, dem Intendanten des Kunstmuseums Bonn, abgesprochen gewesen – einmal schickte Hall eine SMS „Auftrag erledigt“, um das Museum zu informieren. Doch die Kunsthalle Bonn bestätigt den Bacon-Coup nicht. „Herr Hall ist dahingehend noch nicht an uns herangetreten“, sagte eine Sprecherin.

Sotheby's teilte lediglich mit, dass das Werk an ein „bedeutendes internationales Haus“ gehen werde. Geschätzt war die kleinformatige Serie „Three Studies of a Self Portrait“ mit den sich wie unter Wasser verschlierenden Gesichtszügen des exzessiven Malerstars auf zehn bis 15 Millionen Pfund.

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