Speisen und Weine der Romagna stehen im Schatten der Toskana-Produkte – zu Unrecht: Die Region bringt Gutes hervor
Salute Sangiovese

Faenza, Italiens Metropole des Keramik-Handwerks, liegt auf halbem Weg zwischen Bologna und Rimini. In der Altstadt gegenüber dem Hauptpostamt liegt „La Baita“, selbst für manche Einheimische ein Geheimtipp. Und wir treffen dort gerade rechtzeitig ein „per una piccola colazione“, für einen netten Imbiss.

„La Baita“ nennt sich zwar „das Bauernhaus“, ist aber ein Feinkostgeschäft plus Trattoria. Dort sollte man besser nicht mit leerem Magen eintreten. Allein der Anblick der Wurstwaren, „salume“ genannt, fördert den Speichelfluss.

Neben wohl gereiftem Rohschinken liegen „lonza“, geräucherte Schweinelende, und „guanciale“, gepökelte Schweinebacke in dicker Kräuterschicht. Das alles stammt von Mora-Schweinen, einer uralten Rasse. Sie galt in der Romagna als ausgestorben und wird nun wieder von ein paar Bauern gezüchtet.

Federica, die nette, junge Bedienung, bringt „salsiccia appassita“, eine – wörtlich genommen – „welke“ Hartwurst, die zwei Jahre lang in einem Kellergewölbe hängen durfte. Dazu gibt es knusprige „piadina“, ein regional weit verbreitetes Fladenbrot, das in jedem Dorf der Romagna anders schmeckt.

Danach kommen hausgemachte Nudeln auf den Tisch mit einer aus frischen Tomaten und geschabtem Rindfleisch gekochten Sauce. Es liegt gewiss nicht nur an der behaglichen Atmosphäre, dass das schlichte Gericht dort um Welten besser mundet als hier zu Lande die schrecklichen Spaghetti Bolognese.

Giorgio Melandria stößt hinzu, ein kleiner, schwarz gewandeter Herr mit einer Art Beatles-Frisur. Hinter der schmalen Brille blinzeln gutmütige Augen. Er hat einige höchst appetitanregende Bücher über die Köstlichkeiten der Romagna geschrieben. Für den Weinführer „Gambero rosso“ begutachtet er die Gewächse seiner Region.

„Die Önologen in der Toskana sind ja so stolz auf ihren Sangiovese. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass diese Rebe von hier stammt“, sagt er und lächelt sämig. Das „hier“ unterstreicht er mit hörbarem Pochen auf die Tischplatte.

Die Romagnoli wissen, was sie an dieser Sorte haben. Nirgendwo sonst prunkt dieser Wein mit derart überquellenden Fruchtaromen. Es gibt ihn als jungen Sommertrunk aus dem Edelstahl. Dann ist er nicht so schwer und schmeckt üppig nach Kirschen. Ein spät gelesener Sangiovese verträgt die Eichenholzfässer. Er kann wundersam altern und mit herbstlichen Aromen von Wild und welkem Laub bezaubern.

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