Spektakulärer Kunstfund

Teil der Gurlitt-Kunstwerke online veröffentlicht

Die Behörden veröffentlichen eine Auswahl der 1400 Werke aus dem Fund in einer Münchner Wohnung. Die Bilder von Chagall, Spitzweg und Dix sind jetzt online zu sehen. Experten halten diesen Schritt für nicht ausreichend.
Update: 12.11.2013 - 10:21 Uhr 1 Kommentar
Nach dem Fund in einer Münchner Wohnung veröffentlichen die Behörden eine erste Liste mit 25 verdächtigen Werken im Internet. Quelle: dpa

Nach dem Fund in einer Münchner Wohnung veröffentlichen die Behörden eine erste Liste mit 25 verdächtigen Werken im Internet.

(Foto: dpa)

Berlin/Düsseldorf/MünchenNach dem spektakulären Kunstfund in einer Münchner Wohnung haben die Behörden eine Liste mit 25 verdächtigen Werken im Internet veröffentlicht. Am Montagabend wurden Bilder „mit entsprechenden dringenden Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingten Entziehungshintergrund“ in die Plattform lostart.de der Koordinierungsstelle Magdeburg eingestellt, wie das bayerische Justizministerium, das Kultusministerium sowie das Bundesfinanzministerium und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Unter den Werken sind Bilder von Marc Chagall, Eugène Delacroix, Carl Spitzweg und Otto Dix.

Eine „Taskforce“ aus Sachverständigen soll nun schnellere Aufklärung bringen. „Zwischen Bund und Land wurde vereinbart, umgehend eine qualifizierte Taskforce von mindestens sechs Expertinnen und Experten für Provenienzrecherche zusammenzustellen“, heißt es in der Mitteilung.

Parallel zum Ermittlungsverfahren der Augsburger Staatsanwaltschaft sollen die Provenienz-Experten der Herkunft der rund 1400 gefundenen Bilder aus der entdeckten Sammlung des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt auf den Grund gehen. Die Leitung der „Taskforce“ soll die frühere Ministerialdirektorin Ingeborg Berggreen-Merkel übernehmen.

Diese Bilder waren jahrelang verschollen
Staatsanwaltschaft Augsburg zu spektakulärem Kunstfund
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Nach dem spektakulären Fund hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg auf einer Pressekonferenz erste Bilder präsentiert. Bei einer Durchsuchung in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt waren 2012 rund 1500 Kunstwerke gefunden worden. Der Fall wurde erst jetzt publik. Am Montagabend wurden Bilder „mit entsprechenden dringenden Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingten Entziehungshintergrund“ in die Plattform lostart.de der Koordinierungsstelle Magdeburg eingestellt.

Staatsanwaltschaft Augsburg zu spektakulärem Kunstfund
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Einige Bilder auf der Liste waren schon vorher gezeigt worden, andere nicht. In Gurlitts Wohnung wurde etwa dieses Kunstwerk des französischen Malers Marc Chagall gefunden. Das Bild mit dem Titel „Allegorische Szene“ war unbekannt, bis es auf der Pressekonferenz gezeigt wurde.

A painting of German artist Liebermann is beamed to a wall at an Augsburg courtroom
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Die Bilder wurden teils mit, teils ohne Rahmen in der Wohnung von Gurlitt gefunden. Die Werke sollen alle fachgerecht gelagert gewesen sein – auch das Gemälde „Zwei Reiter am Strande“ von Max Liebermann.

Staatsanwaltschaft Augsburg zu spektakulärem Kunstfund
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Das Gemälde „Sitzende Frau“ wurde vom französischen Künstler Henri Matisse gemalt. Das Bild wurde laut „Focus“ 1942 von den Nazis beschlagnahmt. Der Kunstfund in München stößt nicht nur in Deutschland auf Interesse, sondern auch im Ausland. So zeigt sich der Konservator am Stedelijk Museum für moderne Kunst in Amsterdam, Bart Rutten, von dem Matisse-Gemälde begeistert. „Das ist phänomenal, das Stedelijk würde das gerne haben.“

A painting of Italian artist Canaletto is beamed to a wall at an Augsburg courtroom
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Auch ein Gemälde des italienischen Malers Antonio Canaletto gehört zu den Funden. Die Herkunft des Werks ist nicht geklärt. Insgesamt wurden rund 1500 Kunstwerke in Gurlitts Wohnung gefunden. Was mit ihnen geschieht, ist offen.

Werke aus der Gurlitt-Sammlung
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Auf der Liste steht zudem das Aquarell „Paar“ des 1992 verstorbenen Künstlers Hans Christoph von 1924. Bei der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 ging nahezu Christophs gesamtes Frühwerk verloren.

Werke aus der Gurlitt-Sammlung
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Das Gemälde „Don Quichote und Sancho Panza“ von Honoré Daumier wird auf das Jahr 1865 datiert. Daumier war ein französischer Maler, Bildhauer, Grafiker und Karikaturist. Er ist ein wichtiger Vertreter des Realismus.

Der NS-Raubkunstforscher und Historiker Willi Korte hält die Veröffentlichung einer Liste von Bildern aus dem Schwabinger Bilderfund für nicht ausreichend. „Die Bundesregierung hat einen ersten Schritt getan, um Druck von sich zu nehmen“, sagte Korte am Dienstag. Die „entscheidende Frage“, wie mit den Bildern aus der Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt umgegangen werden solle, sei „nicht geklärt“.

Die Bundesregierung habe wegen der Geheimhaltung des Kunstfundes „Prügel bekommen, weil sie sich international verpflichtet hat, zur Provenienzforschung und Restitution beizutragen“, sagte Korte, der seit fast 30 Jahren in Washington lebt. „Sie hat nun heiße Luft aus dem Ballon gelassen.“ Die Restitution möglicher NS-Raubkunstwerke aus der Sammlung liege aber nicht in ihrer Hand. Es gebe bisher „keine gegenteilige Rechtsauffassung“, dass die Bilder nicht privater Besitz von Cornelius Gurlitt (79) seien.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Augsburg müssen rund 970 der etwa 1400 gefundenen Werke von Experten überprüft werden. 380 davon können dem zugeordnet werden, was die Nationalsozialisten „Entartete Kunst“ nannten, bei 590 Werken muss laut Mitteilung überprüft werden, ob sie den rechtmäßigen Eigentümern während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt genommen wurden.

Was passiert, wenn sich der Verdacht bestätigt, konnte ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums zunächst nicht sagen. Womöglich müssten dann einzelne Zivilprozesse zwischen Gurlitt und möglichen Vorbesitzern geführt werden.

Forderungen nach offenem Umgang werden lauter
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1 Kommentar zu "Spektakulärer Kunstfund : Teil der Gurlitt-Kunstwerke online veröffentlicht"

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  • Die deutschen Behörden sind doch in diesem Fall völlig unglaubwürdig, haben sie doch bis heute diese Sammlung verschwiegen, obwohl der Sachverhalt bereit in den 50er Jahren bekannt war. Gurlitt durfte ja sogar mit deutscher Finanzhilfe die Bilder im Ausland ausstellen, um sie dann wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Man sollte die damals dafür zuständigen Beamten gerichtlich belangen. Das wird aber nicht geschehen, weil wir ja kein Unrechtsstaat sind!

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