Spezialadresse für Literatur aus Korea
Klein-Korea in Bielefeld

Wann immer die Rede vom Buchmesse-Gastland Korea ist, fällt das Gespräch auf den Pendragon-Verlag. Mehr als dreißig Titel aus Korea sind dort erschienen - so viel wie in keinem anderen deutschen Verlag. Lange vor der Konkurrenz hat der Pendragon-Verlag die Literatur des asiatischen Landes entdeckt.

HB BIELEFELD. Seit 25 Jahren besucht Günther Butkus die Frankfurter Buchmesse. Aber die Bücherschau 2005 wird wohl den nachhaltigsten Eindruck bei dem Bielefelder Verleger hinterlassen. Butkus ist Gründer, Verlagsleiter und Lektor des Pendragon-Verlags, einer Spezialadresse für Literatur aus Korea. Begonnen hatte die ostwestfälisch-koreanische Literaturbeziehung vor acht Jahren. Butkus bekam den hoch gelobten Roman "Wind und Wasser" des koreanischen Autors Kim Wonil in die Finger - übersetzt von einer Professorin für deutsche Literatur und Sprache, die seit Jahrzehnten in Korea arbeitet. Butkus erkannte sofort die "literarische Nische, die keiner betreut". Er wollte das Buch verlegen, entschied sich aber, eine ganze Edition zu veröffentlichen. "Ein einzelner Band wäre untergegangen." Pendragon ist ein kleines Unternehmen mit gerade einmal vier Mitarbeitern, den Chef mit eingerechnet. Als Nischenanbieter versteht sich der Verlag aber nicht. Neben koreanischer Literatur hat Pendragon auch Romane und Lyrik, Autobiografien und Krimis im Programm. Nur von Sachbüchern, Reiseführern und Kinderbüchern hält sich Butkus fern. Der Markt sei übersättigt, sagt er. 1981 machte er sich selbstständig. Damals studierte Butkus Literaturwissenschaft. Der Quereinsteiger eignete sich das betriebswirtschaftliche Fachwissen nach und nach an. Training-on-the-Job würde man das heute nennen. Nun, im Alter von 47 Jahren, kann er mit einem gewissen Humor auf seine kaufmännischen Anfangserfahrungen als Jungverleger zurückblicken: "Es spricht überhaupt nichts dagegen, einen solchen Beruf vernünftig gelernt zu haben." Längst hat sich Pendragon zu einer anerkannten Marke auf dem deutschen Buchmarkt entwickelt. Allein die "Edition moderne koreanische Autoren ist in 250 Buchhandlungen vertreten, was Butkus als Erfolg wertet. Acht freie Handelsvertreter übernehmen den Vertrieb der Bücher. Das Geschäft sei schwieriger geworden, sagt Butkus, weil der einst mittelständisch geprägte Buchhandel mitten im Konkurrenzkampf mit den großen Handelsketten Thalia, Hugendubel und Weltbild steckt. Und überhaupt sei die Buchproduktion teuer - teurer jedenfalls als die Herstellung von CDs oder DVDs. "Man braucht Luft, um auch mal die nächsten zwei, drei Jahre wirtschaftlich zu überstehen." Große Sorgen macht sich Butkus allerdings nicht, obwohl er weiß, dass das literarische Interesse am Thema Korea nach der Buchmesse wieder abflauen wird. Seiner persönlichen Leidenschaft wird dies keinen Abbruch tun. "Jedes Buch ist ein Kulturträger", sagt er.

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