Spiel der Pharaonen
Backgammon: Schlangen zum Erfolg

Backgammon ist nicht das Spiel der Könige, sondern der Pharaonen. Und der Playboys – wenn die anderen Spielzeuge gerade zu fad sind.

DÜSSELDORF. Schach wird ja gemeinhin als Spiel der Könige bezeichnet. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Sicher, Schach wurde schon im 3. Jahrhundert nach Christus von indischen Adligen gespielt. Zur gleichen Zeit moderte aber im Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun ein 1500 Jahre altes Backgammon-Brett. Im alten Ägypten hieß das Spiel noch Senet. Es funktionierte auch mit Würfel und Figuren, allerdings mussten die Spieler drei Reihen à zehn Felder überwinden. Das Spiel symbolisierte den Weg der Seele des Toten hin zur Unterwelt des Osiris und sollte im Jenseits für Kurzweil sorgen. Aber auch im Alltag sollen die alten Ägypter fleißig Steinchen auf Spielbrettern verschoben haben.

Heute ist Backgammon in wüsten Gegenden zu Hause. In Guantánamo Bay bekommen die Häftlinge nur wenige Gegenstände. Eine Pritsche, Sommerkleidung, zwei Paar Schuhe, Handtücher – und ein Backgammon-Spiel erhalten sie in Camp Delta.

Das Spiel ist zu Hause vor Tavernen auf Zypern oder in Kaffeehäusern auf den Golanhöhen. Eine Mischung aus Müßiggang, Taktik und Männerschweiß. Vielleicht war es deshalb auch ein typisches Playboy-Utensil. Jedenfalls sah man Gunther Sachs oder Hugh Hefner in das Spiel vertieft. Das Brettspiel mit den Würfeln umweht auch immer eine Ungezähmtheit, nicht die intellektuelle Abgeklärtheit des Schachs.

Baldessarini würde es mit seinem selbst auferlegten Markenversprechen „Separates the men from the boys“ nicht sonderlich ernst nehmen, wenn die Modemarke nicht eine Playboy-Variante auf den Markt geworfen hätte. Die Spielwürfel sollen sich anfühlen wie eine Erinnerung an schmerzliche Verluste – sie stammen aus dem Casino in Monte Carlo.

Und zusammengeklappt strahlt das Brett eine Rohheit aus wie Michael Madsen in „Kill Bill 2“. Dort wischt Madsen als Budd mit Schlangenleder-Cowboystiefeln die Toilette einer Nacktbar. Hätte er später im Wohnwagen das Baldessarini-Brett zum Whisky ausgepackt, hätte es niemanden gewundert. Es ist mit handbemaltem Pythonleder bezogen, ganz wie die Würfelbecher. Lediglich die Spielsteine im Reptilienlook schießen ein bisschen übers Ziel hinaus.

Baldessarini lässt das Brettspiel in einer toskanischen Werkstatt von Hand fertigen. Aber für den Abend auf der Terrasse des Rustico passt das Schlangenspiel so wenig wie Olivenkrostini auf Norderney. Der Toskana-Fraktion sei da die Edelreisefirma Louis Vuitton anempfohlen – die fertigen jetzt auch Backgammon-Bretter.

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