Sport-Couture
Edelschweiß

Im Studio wird es immer schicker: Die Designer veredeln ihre Sportswear mit edlen Materialien zur Sport-Couture. Die passenden Geräte dazu sind aus Silber. Das wirkt auf den ersten Blick wie dekadenter Unfug, aber die Schweiß-Juwelen erinnern auch daran, was Sport lange Zeit war: reiner Luxus.

DÜSSELDORF. Glitzernd liegen die zwei breiten, geschwungenen Hanteln auf dem Boden der Messehalle. Die Gewichte fühlen sich gut an in der Hand, wirken fast ein wenig leichter als zwei Kilogramm. Was nicht zuletzt auch an dem edlen Material liegen mag, aus dem sie gefertigt sind. Der Sport-Equipment-Hersteller „Technogym“ hat die Hanteln, die er auf der Sportmesse Ispo in München kürzlich vorstellte, mit Sterling-Silber überzogen. Erschöpfung wird zum Luxus. Das Sportgerät zum Spiegel. Denn auf der schimmernden Oberfläche kann der Fitnesssuchende den Trainingseffekt, seinen Look und sein Image überprüfen.

Sportgeräte aus Silber – wie Schmuck oder edles Besteck, das wirkt auf den ersten Blick wie dekadenter Unfug. Aber das Schweiß-Juwel erinnert auch daran, was Sport lange Zeit war: reiner Luxus. In einer Zeit, in der die Mehrheit der Bevölkerung im Schweiße des Angesichts arbeiten musste, waren überschüssige Energie und Zeit für den sportlichen Wettkampf ein Privileg des Adels. Kein Wunder, dass die klassischen Gentleman-Sportarten wie Tennis, Golf oder Fechten sich an den modischen Codes der Oberschicht orientierten. Kragen. Eng geschnittene Hosen, feine Hemden, dazu ganz viel Weiß.

Als Roger Federer vor knapp zwei Wochen zum fünften Mal in Folge Wimbledon gewann, sah er genauso aus wie die sportiven Snobs aus dem goldenen Zeitalter. Sein Ausrüster hatte dem Champion einen Anzug auf den Leib geschnitten, mit dem er gut in ein Bild mit Fred Perry oder dem deutschen Tennis-Graf gepasst hätte. Auch im Sport legt man in diesen Tagen wieder mehr Wert auf Klasse, die Männermode ist schick, selbstsicher, dynamisch und trotzdem elegant. Die Zeit der Jogging-Hosen und T-Shirts ist endgültig vorbei. Heute trägt man zum Workout edle Materialien und raffinierte Schnitte. Sport-Couture ersetzt Sportswear.

Die Zeit der Zigarre rauchenden Manager mit Wohlstandsbäuchen ist vorbei. Die Führungskräfte der Gegenwart gehen ins firmeneigene Fitnessstudio statt in die Tagesbar - Marathontraining statt Mittagspause. Fachwissen allein reicht nicht mehr, man muss seine Leistungsfähigkeit auch durch körperliche Fitness beweisen. Und wo Premium-Sportclubs eine moderne Variante des elitären Herrenclubs geworden sind, nimmt der Dresscode eine wichtige Rolle ein.

Ein Beispiel für den gereiften Trend ist die dänische Marke Hummel. In den 70er-Jahren war sie vor allem Hand-, Fuß- und Volleyballspielern ein Begriff. Seit 1979 rüstet sie die dänische Fußballnationalmannschaft aus. Als die Firma in den 90er-Jahren in Schieflage geriet, erinnerte man sich an die alten Erfolge und setzte ganz auf Retro. Hummel wurde zum Clubaccessoire. Doch mittlerweile hat sich die Marke vom Turnhosencharme in Richtung Königsallee entfernt. In der frisch vorgestellten Sommerkollektion 2008 setzen die Dänen auf Kaschmir und Details mit Swarovski-Kristallen.

Puma konnte nicht nur Neil Barrett für die Kollektion „96 Hours“ gewinnen, die man zu Anzughosen mindestens ebenso gut tragen kann wie zu Sporthosen. Die Herzogenauracher lassen auch eine begrenzte Stückzahl edelster Schuhe beim italienischen Nobel-Lederhaus Schedoni fertigen. Die riechen dann nicht mehr nach billigem chinesischen Klebstoff, sondern nach naturgegerbtem Leder. Das Modell Autodromo wird mit den Initialen des Trägers versehen. Und beim „Podio“ können sich die Kunden aus verschiedenen Ledern ihren Wunschschuh nähen lassen. Ab 450 Euro kostet der Spaß, der nur in zehn europäischen Geschäften zu haben ist.

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