Stabilität und Standfestigkeit sind wichtig
Die talentierten Grashüpfer

Bei der Schuhmode auf dem Golfplatz kommt es in erster Linie auf die Funktion an. Denn ein gutes Spiel hängt davon ab, dass der Spieler gut zu Fuß ist und am entscheidenden Punkt Standvermögen hat.

Der Durchschnittsmensch läuft in seinem Leben rund dreimal um die Erde - Golfer aber machen garantiert mehr Strecke. Dazu gehört der richtige Schuh. Denn ein gutes Spiel hängt davon ab, dass der Spieler gut zu Fuß ist und am entscheidenden Punkt Standvermögen hat. Deshalb kümmern sich auch die unverfrorenen Golfer nächste Woche bei den 6. Eisgolf-Weltmeisterschaften im grönländischen Uumamannaq nicht um modische Details. Beim Putten am Polarkreis kommt es vor allem aufs Warmhalten an. Da schwören Golfabenteurer abseits von Kohle und Karriere in der weißen Wildnis auf ihre Kamikken.

Diese schienbeinhohen Stiefel haben sie den eingeborenen Inuit (Eskimos) abgeguckt, die deren mollige Wärme bereits seit Generationen schätzen - lange bevor der erste Eis-Golfer seine orange leuchtenden Bälle im Tiefschnee auf ein Gummi-Tee legte. Wenn es dagegen in unseren Breiten ums Golfen geht, müssen die Schuhe Stabilität und Standfestigkeit bieten, bequem und wetterfest sein. "Golfschuhe sind ein oft unterschätztes, aber genauso wichtiges Sportgerät wie Ball oder Putter", sagt Till Landwehrmann, der bereits mit 12 Jahren seine ersten Runden gedreht hat.

Heute, 18 Jahre später mit Handicap 18, hat der Geschäftsführer des Krefelder Golfclubs Elfrather Mühle sich zum ersten Mal handgenähte Modelle aus Wasser abweisendem Kalbsleder von "Genuin" geleistet. Sie eignen sich ohne Softspikes auch fürs Trottoir und sehen dabei aus wie seine Budapester Schuhe, die er im Büro trägt. Genau das ist Absicht, heißt es bei Walter Genuin in München: "Unsere Kunden tragen in der Freizeit keine Sneakers." Dafür geben sie dann für ein Paar in Italien gefertigte schwarz-weiße oder brandyfarbene Klassiker - die Schäfte freihändig doppelgenäht - 300 Euro und mehr aus.

Das Geschäft ist lukrativ. Golfschuhe erspielen sich die größten Zuwächse. Philipp Urban vom Deutschen Schuhinstitut blickt ein wenig neidisch auf Hersteller wie Nike, Adidas, Foot-Joy, Bally oder die Südtiroler Brüder Erlacher von Chervò. "Die machen wenigstens noch ordentliche Umsätze" - und dies nicht nur, weil die Zahl der Golfer weltweit ständig steigt.

Golfschuhe sind auch ein wichtiges Produkt auf der internationalen Schuhmesse GDS, die an diesem Wochenende in Düsseldorf läuft. Hier haben die Ergebnisse unermüdlichen Tüftelns an Neuerungen, die zumindest spielmitentscheidend sein können, ihren ersten Auftritt. Denn Maßnehmen nur beim Schläger - das war gestern. "Foot-Joy" aus Massachusetts, die auch Marktführer sind, wenn es um Golfhandschuhe geht, haben für die Flexibilisierung ihrer Golfschuhe ein Laser-System entwickelt, das nach seinen Bewährungsproben auf amerikanischen und britischen Plätzen bald auch in Deutschland zu haben sein soll.

Membranen übernehmen die Klimakontrolle; die Schuhe atmen und sind wasserdicht. Längst gehört bei den talentierten Grashüpfern auch "Griffigkeit gegen ungewolltes Ausrutschen" dazu. Diese US-Golftreter beginnen bei 49 Euro. Top-Modelle kosten knapp 400 Euro, Standard-Modelle sind für etwa 150 Euro zu haben. Positive Auswirkungen auf die Leistung verheißt auch Bally: Die Schweizer setzen auf Noppen. Und haben ein weltweit patentiertes "Flexitec-Federstahlsystem". Dank eines Schaums passt sich das Fußbett individuell dem Fuß an.

Nike dagegen verspricht Stabilität ohne Spikes und damit Schonung fürs Grün. Die neue "T@C4-Sohle" bietet sogar 130 Kontaktpunkte zum Boden - wenn da der Schwung nicht sitzt, liegt's garantiert nicht am Schuh. Dämpfen, stützen und stabilisieren - das ist der Kern der a3-Technik von Adidas. Von vorgestern ist lediglich das 3-Streifen-Design, bekannt seit mehr als 75 Jahren. Aber Retro ist ja (wieder mal) angesagt. Die Preise dafür liegen zwischen 100 und 180 Euro.

"Männer achten mehr auf Funktion", sagt Fritz Unützer. Und macht deshalb "Golfies" nur für Frauen. Auf der Schlaganlage oder im Bunker schätzen sie den luxuriösen Dandy-Look mit Kroko-Kappen, Ziernähten und weicher Polsterung aus Känguru-Leder. Dafür zahlen die Damen gern 330 Euro - und mehr.

Mode hat eben auch etwas Spielerisches.

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