«Stadtschreiber von Bergen-Enkheim»
Genazino mit Büchner-Preis geehrt

Der wichtigste deutsche Literaturauszeichnung ist an Wilhelm Genazino verliehen worden. Die Jury lobte ihn als «unbändigen Komödianten».

HB BERLIN.

Der Romanautor Wilhelm Genazino hat am Samstag den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung erhalten. Die Jury würdigte den 61-jährigen Schriftsteller als einen «unbändigen Komödianten mit barmherziger Seele, der unsere Zeit belauscht und ausspäht, um sie im Alltag unscheinbarer Einzelner zu spiegeln.» Genazino schreibe «detailversessen, eigensinnig und in wunderbarer musikalischer Prosa». Die Auszeichnung, die als bedeutendster deutscher Literaturpreis gilt, ist mit 40.000 Euro dotiert.

Der 1943 in Mannheim geborene Autor begann seine berufliche Laufbahn als Journalist und schrieb unter anderem für das satirische Monatsmagazin «Pardon». Genazino wurde bekannt als Autor von Hörspielen und Sketchen, die er teilweise zusammen mit dem Humorproduzenten Peter Knorr verfasste. Als Schriftsteller machte er sich ab 1977 einen Namen mit seiner Trilogie über das entfremdete Leben einen Büroangestellten namens Abschaffel.

Wilhelm Genozino hat sich in verschiedenen Schreibstilen geübt, was bei der Kritik nicht immer Zustimmung hervorrief. Hohe literarische Qualität wird aber einhellig zum Beispiel seinem Roman «Das Licht brennt ein Loch in den Tag» zugemessen, den er ab September 1996 als «Stadtschreiber von Bergen-Enkheim» verfasste. In 115 kurzen Stücken auf nur 120 Seiten beschäftigte er sich mit Sinn und Unsinn des Sicherinnerns und damit mit dem Sinn jeglichen Erzählens.

Einen Bestseller landete der in Heidelberg lebende Schriftsteller mit dem Roman «Ein Regenschirm für diesen Tag» (2001), einer weitere Variante seiner Stadtgänger-Reflexionen. Im heiteren Erzählstil mit ironischer Brechung beschreibt er die Brüchigkeit heutiger Existenz. Bereits 2003 gelang ihm ein weiterer Erfolg mit dem Roman «Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman», in dem ein 17-jährigen Kaufmannslehrling in der ausgehenden Adenauer-Ära seinen Lebensweg sucht.

Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1923 verliehen. Zu den Preisträgern gehören Friedrich Dürrenmatt, Erich Kästner, Botho Strauß, Günter Grass, Wolf Biermann, George Tabori, Wolfgang Hilbig und im vergangenen Jahr der Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge.

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