Städel Museum
Bescherung mit Altem Meister

Bürgerschaftliches Mäzenatentum hat das Frankfurter Städel groß gemacht. Jetzt haben Barbara und Eduard Beaucamp dem angesehenen Museum ein bedeutendes Barockgemälde geschenkt.
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DÜSSELDORF. Guercinos 1621/22 gemalte "Madonna mit Kind" kommt pünktlich zum Weihnachtsfest. Überbringer des barocken Meisterwerks ist jedoch kein König und kein Hirte, sondern ein ganz normaler Mensch und Bürger: der ehemalige Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Eduard Beaucamp und seine Frau Barbara.

Das Ehepaar Beaucamp tat, was viele andere Frankfurter Bürger vor ihnen mit sichtbarem Erfolg praktiziert haben. Ihre Zuwendungen haben die vor 200 Jahren als Bürgerstiftung gegründete Städel-Sammlung zu einer der bedeutendsten der Republik gemacht. Jochen Sander, stellvertretender Städel-Direktor und Kurator der Altmeistersammlung, ist glücklich über den Neuzugang, denn er "schließt eine weitere Lücke in unserer Altmeistersammlung und hilft damit, die Qualität unserer Sammlung kontinuierlich zu steigern".

Das Bild wurde zuerst für eine Kopie gehalten

Barbara und Eduard Beaucamp hatten die "Madonna mit Kind" 1981 im Frankfurter Kunsthandel entdeckt. Da das Bild für eine Kopie des 19. Jahrhunderts gehalten wurde, konnten sie es weit unter ihrem tatsächlichen Wert erwerben. Beaucamp und seine Frau, ebenfalls promovierte Kunsthistorikerin und Porzellan-Expertin, erkannten mit ihren geübten Augen jedoch die außergewöhnliche Qualität und entschlossen sich, das Bild dem englischen Guercino-Spezialisten Sir Denis Mahon vorzulegen.

Mahons Gutachten und weitere Untersuchungen bestätigten schließlich, dass sie es tatsächlich mit einem eigenhändigen Gemälde von Giovanni Francesco Barbieri, gen. Il Guercino (1591-1666) zu tun haben. Und so konnte man die "Madonna mit Kind" bereits in Bologna 1991 und in Mailand 2003 anlässlich der großen Einzelausstellungen besichtigen. Außerdem fand sie Aufnahme in den von Luigi Salerno und David M. Stone herausgegebenen Guercino-Werkverzeichnissen.

Jesuskind mit Haarflaum und Babyspeck

Charakteristisch für das intime Bildnis von Mutter und Kind ist der starke Kontrast zwischen hell beschienenen Flächen und verschatteten Partien. Guercino hat die Szene stark angeschnitten und asymetrisch aufgebaut. So bekommt das Geschehen nicht nur die Anmutung einer zufälligen Beobachtung. Man schaut auch genauer hin. Wer dem geneigten Blick der Madonna folgt, entdeckt ein Jesuskind mit Haarflaum und Babyspeck. So betont der Maler die Menschlichkeit des Gottessohnes.

In welchem Maße eine Schenkung auch eine Verzichtsleistung der Gebenden darstellt, verdeutlicht ein Blick auf die Preise des Barockmalers. Bis zu 5,2 Mio. Pfund wurden bereits auf dem Londoner Auktionsparkett für Arbeiten des Künstlers erzielt. Auf diesen Betrag kam "König David" im vergangenen Juli bei Christie's. Eine Madonna mit Kind erzielte im Mai 2008 ebenfalls stattliche 466.400 Pfund.

Zu besichtigen ist Guercinos "Madonna mit Kind" erst ab Herbst 2011, wenn das Museum neu eröffnet wird.

www.staedelmuseum.de

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