Stammeskunst
Höchstzuschlag rettet Gesamtergebnis

Die Auktionen für Stammeskunst in Paris machen mit einzelnen hohen Zuschlägen Furore. Für die niedriger taxierten Lose bricht die Käuferschicht weg. Sehr aktiv sind in diesem Preissegment jedoch die Internetbieter.
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Paris„Wie überall am Kunstmarkt suchen die Sammler das außergewöhnliche Objekt, das mit Höchstpreisen bewertet wird“. So kommentierte der rührige Brüsseler Tribal Art-Händler Didier Claes den 4,4 Millionen Euro-Zuschlag für eine Frauen-Fang Mabea-Figur, die Sotheby's am 18. Juni 2014 in Paris versteigert hatte. Christie's Stammeskunst-Berater Pierre Amrouche monierte dagegen am 19. Juni nach dreieinhalb Auktionsstunden: „Nachdem die Sammler in den letzten Jahren am Telefon boten, beauftragen sie derzeit die Händler, für sie zu steigern“.

Bei Christie's setzte sich am 19. Juni die Pariser Händlerin Hélène Leloup mit ihrem 721.500 Euro-Gebot für eine besondere Dan-Maske von der Elfenbeinkünste gegen ihren Pariser Kollegen Bernard Dulon durch. Leloup hat ihre Galerie vor einigen Jahren altersbedingt aufgegeben. Bei Sotheby’s wurden sie und ein Telefonbieter am Vortag jedoch von Dulon ausgebootet, als er für die Fang Mabea-Frauenfigur aus Kamerun mit 4,4 Millionen Euro brutto den weltweit dritthöchsten Preis für ein Stammeskunst-Objekt festsetzte. Den dritten Bieter, vermutlich einen Amerikaner, hatte der bei Galeristen wegen seiner Fähigkeiten bekannte New Yorker Sotheby's-Mitarbeiter Heinrich Schweizer am Telefon. Er musste schließlich wohl wegen des hohen Dollarkurses passen.

Nackenstütze in Frauenform

Sotheby's verkündete für diesen hohen Zuschlag einen „Weltrekord für eine Fang-Figur“. Der Richtigkeit halber erinnern wir an die Fang-Ngil-Maske aus der Sammlung Vérité, die 2006 im Pariser Hôtel Drouot zum absoluten Weltrekordpreis von 5,9 Millionen Euro versteigert wurde. Im Preisgefälle folgt eine der kunstvoll gestalteten Frauenfiguren des „Meisters von Buli“, die 2010 bei Sotheby's Paris 5,4 Millionen Euro einfuhr.

Ebenso begabt wie dieser Meister war der „Meister der Kaskaden-Frisur“ des Stammes Luba (Demokratische Republik Kongo). Von ihm sind insgesamt 18 kunstvoll geschnitzte Figuren bekannt. Christie's gab am 19. Juni eine Nackenstütze in Frauenform des „Meisters der Kaskaden-Frisur“ aus der Schweizer Sammlung Rudolf und Leonore Blum für 612.500 Euro an einen europäischen Sammler ab.

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