Stanley J. Seeger: Schrulliger Nachlass eines großen Sammlers

Stanley J. Seeger
Schrulliger Nachlass eines großen Sammlers

Stanley J. Seeger sammelte alles, was ihm originell erschien: von der hölzernen Zitronenpresse aus dem 19. Jahrhundert bis hin zum Picasso. Jetzt versteigert Sotheby’s 1.000 Lose aus seinem Nachlass.
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LondonAm 5. und 6. März 2014 wird Sotheby’s 1.000 Lose aus dem Nachlass des legendären Sammlers Stanley J. Seeger ausrufen, mit Schätzungen, die möglichst wenig Risiko eingehen. In vielen Fällen werden einfach die Einkaufspreise Seegers zu Grunde gelegt oder die Schätzungen der Auktionen übernommen, in denen Seeger die Sammelobjekte vor teilweise über 20 Jahren ersteigerte.

Gerhard Marcks 120 cm hohe Bronze „Maximilian“ etwa war 2002 bei Sotheby’s Auktion der Stuttgarter Sammlung Beck mit 60.000 bis 90.000 Euro eingeschätzt. Seeger bezahlte für das Unikat 100.150 Euro. Es war eine der wenigen Auktionen,  bei denen die neu gestartete Euro-Währung in London zum Zuge kam. Nun sind für das Stück mit tadelloser Provenienz 60.000 bis 80.000 Pfund geschätzt. Der alte Beck hatte die Skulptur in ihrem Entstehungsjahr 1939 erworben.

Verkauf trotz widriger Marktumstände

Orson Welles’ „Arbeitsskript“ für den legendären Film „Citizen Kane“ ersteigerte Seeger 1991 bei Christie’s New York für 11.000 Dollar, unter der damaligen Schätzung von 15.000 bis 20.000 Dollar. Nun sind 15.000 bis 20.000 Pfund geschätzt. Auf dem Titelblatt steht säuberlich „Mr. Welles’ working copy“.

Stanley J. Seeger, ein nach Großbritannien umgesiedelter vermögender Amerikaner, der 2011 mit 81 Jahren verstarb, war einer der großen  und entschlossenen Kunstsammler der letzten Jahrzehnte. Zweimal machte er mit Versteigerungen Marktgeschichte, 1993 mit seiner Sammlung von 88 Picassos, die er trotz widriger Marktumstände verkaufte, weil die Sammlung „komplett“ war und ihn zu langweilen begann. Dann folgte 2001 eine hochkarätige, von einem Triptychon Francis Bacons angeführte Auktion mit Kunst aus Sutton Place. Das Landschloss im Tudorstil hatte Seeger 1980 von dem Bibliomanen J. Paul Getty gekauft und zusammen mit seinem Lebenspartner Christopher Cone bewohnt. Es wurde ihm dann aber zu groß und bedrückend. Diese Sammlung brachte 54 Millionen Dollar; Topwerke von Francis Bacon und Max Beckmann erzielten Rekordpreise wie etwa Bacons Triptychon „Studies of the Human body“ mit der heute fast lächerlichen Summe von 8,5 Millionen Dollar. Titel der Auktion: „The Eye of the Collector“.

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Churchills Armlehnstuhl

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