Start des Bertelsmann-Buchs verschoben
Unruhe in Gütersloh

Die Nervosität bei Bertelsmann ist groß. Der Großaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) könnte bereits am 22. Mai den Börsengang von Europas größtem Medienkonzern verlangen. Der belgische Milliardär Albert Frère und seine GBL gelten als unberechenbar. Viele Gedankenspiele machen derzeit in Gütersloh die Runde. Die Zukunft des Medienriesen aus Ostwestfalen erscheint plötzlich seltsam verschwommen.

BERLIN. Wer aber die Zukunft gewinnen will, muss wissen, woher er kommt. Bei Bertelsmann mit seiner unrühmlichen Geschichte während der Nazi-Diktatur ist das nicht so einfach. Deshalb sollte ein Buch zu der vom Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn gepflegten Unternehmenskultur dem Konzern den Weg in eine goldene Zukunft weisen. Der Journalist Michael Jungblut, der vor dreißig Jahren Bücher wie "Die Reichen und die Superreichen in Deutschland" schrieb, wurde als Autor gebeten, die endgültige Bertelsmann-Story zu schreiben. "Die Idee zum Buch wurde im Konzern geboren. Es sollte ein Autor sein, der Bertelsmann gewogen ist", berichtet ein Insider in Gütersloh. "Nach dem Buch von Thomas Schuler kam die Idee zu diesem Buch auf."

Die Enthüllungsbände "Die Mohns" von Thomas Schuler (Campus-Verlag) und "Hinter der Fassade des Medienimperiums" von Hersch Fischler (Eichborn-Verlag) hatten vor zwei Jahren für viel Wirbel und Aufregung gesorgt. Mit der ausführlichen Darstellung der komplizierten Familiengeschichte und der Rolle während des Dritten Reiches hatte das Bild des Musterkonzerns tiefe Risse bekommen. Bertelsmann hatte vom Verlegen nationalsozialistischer Bücher von "Martin Luthers kleinem Katechismus für den braunen Mann" bis hin zu "Sterilisation und Euthanasie" wirtschaftlich profitiert.

Mit einem neuen Bertelsmann-Buch sollte das entstandene Bild des Konzerns nun korrigiert werden. Der Konzern gab dem Autor bei seinen Gesprächen mit Top-Bertelsmännern vielfältige Hilfe. Einzelne Buchpassagen wie die komplizierten Gespräche von Bertelsmann und GBL über den Anteil am Fernsehunternehmen RTL sollten im Konzern gegengelesen werden.

Die Finanzierung des Buches aber ist unklar. "Über die Vereinbarungen mit dem Verlag möchte ich nicht sprechen. Ob Bertelsmann größere Stückzahlen abnimmt, wird sich zeigen", sagt Jungblut.

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