Stasi-Thriller großer Sieger beim 56. Filmpreis
„Ein Film, der die Herzen erreicht“

Stars haben beim Deutschen Filmpreis 2006 in Berlin wieder nicht die große Rolle gespielt. Im Vordergrund der Lola-Verleihung standen die künstlerischen Qualitäten und der Beitrag der Filmbranche zur Kultur. Mit der Wahl des Stasi-Thrillers „Das Leben der Anderen“ zum besten Spielfilm setzte die Deutsche Filmakademie ein deutliches politisches Signal.

HB BERLIN. Es war ein Abend der Premieren: Gleich für sein Spielfilmdebüt „Das Leben der Anderen“ heimste Florian Henckel von Donnersmarck seine ersten Goldenen Lolas ein – und wurde zum großen Sieger des 56. Deutschen Filmpreises in Berlin. „Ich bin sehr, sehr glücklich, das ist herrlich“, rief der 32-jährige Jungregisseur am Freitagabend nach Entgegennahme der ersten von insgesamt sieben Statuen und strahlte. „Die Trophäe verdanke ich denjenigen, die das Drehbuch ohne Vorurteile gelesen haben.“

Mit der Wahl des Stasi-Thrillers zum besten Spielfilm setzte die Deutsche Filmakademie ein deutliches politisches Signal, gilt er doch als erste ernsthafte Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit – und geht ganz anders vor als beispielsweise die weltweit erfolgreiche Komödie „Good bye, Lenin!“. Eindringlich erzählt Donnersmarck die Geschichte eines Stasi-Hauptmanns, der ein Künstlerpaar ausspioniert und sich dabei mehr und mehr seiner eigenen Armseligkeit bewusst wird. Das ist auch filmisch brillant umgesetzt.

„Ich hatte das Ziel, einen Film zu machen, der die Herzen erreicht, die Zuschauer aber trotzdem ernst nimmt“, sagte der 2,05- Meter-Mann Donnersmarck in seiner Dankesrede. Später fügte er hinzu: Der Film stehe nicht für eine bestimmte Person, sondern zeige vielmehr Möglichkeiten auf, wie man sich in dem Unrechtsstaat hätte verhalten können. Die Auszeichnung werde ihm Mut machen in den langen Zeiten der Entwicklung neuer Stoffe.

Der Preisregen für „Das Leben der Anderen“ war verdient: Es ist auch sein Verdienst, dass die Debatte über den DDR-Geheimdienst wieder in Gang gekommen ist. Bundestagsabgeordnete sahen sich den Film gemeinsam an, insgesamt lockte er bereits über 800 000 Menschen in die Kinos. Und für Donnersmarck müsste der Erfolg auch eine persönliche Genugtuung sein, war der Thriller – zum Unverständnis vieler Kritiker – nicht zur letzten Berlinale eingeladen.

Neben dem mit 500 000 Euro dotierten Filmpreis in Gold in der Königskategorie „Bester Film“ gab es für Donnersmarck Lolas als bester Regisseur und Drehbuchautor. Ulrich Mühe wurde für seine Rolle als Stasi-Hauptmann in demselben Film als bester Schauspieler ausgezeichnet, Ulrich Tukur als bester Nebendarsteller. Weitere Lolas sahnte die Produktion in den Kategorien Kamera und Szenenbild ab. Und wurde damit ihrer Favoritenrolle gerecht, war sie doch in elf der 15 Kategorien nominiert.

Auch das als Mitfavorit ins Rennen gegangene Exorzismus-Drama „Requiem“ von Hans-Christian Schmid ging nicht leer aus. Neben dem Filmpreis in Silber gab es weitere vier Auszeichnungen, unter anderem für Hauptdarstellerin Sandra Hüller, die eine vermeintlich vom Teufel besessene junge Frau verkörpert – und für diese Rolle bereits bei der Berlinale einen Silbernen Bären erhielt. Ebenfalls einen Filmpreis in Silber ging an die Neuköllner Sozialstudie „Knallhart“ von Detlev Buck, der sich sehr freute: „Noch nie habe ich einen so gesellschaftskritischen Film gemacht, noch nie sind so wenig Zuschauer gekommen.“ Doch das sei egal. Neukölln brauche eine Lobby.

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