Steinmeier Biografie
Die Geschichte einer politischen Geraden

Eine Biografie über den SPD-Kanzerkandidaten Frank-Walter Steinmeier kommt ohne Brüche aus. Die politische Karriere des ehemalige Kanzleramt-Chefs unter Schröder gleicht einer Geraden. Steinmeier-Biograf Torben Lütjen zeichnet ein authentisches Bild Steinmeiers - keine prickelnde Erzählung.

Wenn sich Autoren über das Objekt ihrer Wahl wundern, spürt man dies meist durch alle Zeilen eines Buches. Und in seiner neuen Biografie über den SPD-Kanzlerkandidaten und Außenminister Frank-Walter Steinmeier wundert sich der Politikwissenschaftler Torben Lütjen oft. Etwa über den immer rasanteren Aufstieg eines Jungen aus der lippischen Provinz bis zum SPD-Kanzlerkandidaten. Das will nicht zum ruhigen Lebenswandel des langjährigen politischen Beamten Steinmeier passen.

Wer dessen Geschichte erzählt, muss sich aber auch wundern, wie ausgerechnet ein Mann, der ein eher sprödes Verhältnis zu den Medien hat, im Medienzeitalter an den üblichen SPD-Parteistufen vorbei nach oben gespült wird. Andere Lebensläufe gleichen Kurven, der Steinmeiers einer fast unheimlichen Geraden. Das dritte Paradox für Lütjen ist, dass "Mr. Makellos" die ersten Kratzer durch den BND-Untersuchungsausschuss nicht schadeten, sondern im Gegenteil wohl eher nutzten - denn endlich erhielt er in den Augen der Öffentlichkeit einmal Konturen.

Schnell wird klar, dass die fehlende Dramatik in Steinmeiers Leben eine Herausforderung für den Biografen war. Brüche helfen bei der Beschreibung einer Persönlichkeit. Dennoch entsteht bei der Lektüre ein relativ authentisches Bild Steinmeiers - auch wenn seine Ministerzeit seit 2005 nur im Zeitraffer erzählt wird. Aber es passt, den Kandidaten nicht in einen Superstar zu verwandeln. "Steinmeier ist ein Mann der Kabinettsvorlage, nicht der großen Erzählung", heißt es an einer Stelle.

Ein sprachliches Feuerwerk über eine prickelnde Kandidatenpersönlichkeit ist das Buch deshalb nicht. Aber es hilft zu verstehen, wieso Steinmeier als unaufgeregter "Macher" fast zwangsläufig von einem Posten in den nächsten fiel. Schon wegen seiner Erfahrung als Krisenmanager wäre er nun "mindestens ein passabler Bundeskanzler", schließt der Autor nüchtern. Wäre da nicht das nächste Paradox - Kanzlerin Angela Merkel sei ihm so ähnlich, dass nur wenige einen "echten Leidensdruck" und Wechselstimmung verspürten.

Torben Lütjen
Frank-Walter Steinmeier - Die Biographie
Herder, Freiburg 2009
160 Seiten, 12,95 Euro

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