Steinway
Lack & Lieder

Für Klavierspieler muss es ein Steinway sein. Der Name steht für verfeinerte Musikalität. Und klassische, sprich analoge, Musikerzeugung. Analog oder digital ist ja sozusagen die Gretchenfrage unter Musikliebhabern. Und doch baut die Instrumentenfabrik künftig für Nicht-Pianisten auch Musikanlagen – zum Preis von eineinhalb Flügeln.

DÜSSELDORF. Es gibt Marken, die haben einen großen Namen, und es gibt Marken, die haben einen großen Menschen dahinter. Peter Lyngdorf ist so einer. Er hat in den vergangenen 30 Jahren die Hifi-Szene beständig bereichert, allerdings ohne dass den Musikfans das sonderlich bewusst geworden wäre. In den 80er-Jahren war er am Erfolg der Hifi-Firma „NAD“ beteiligt. Die entwickelte hochwertige Komponenten, die auf Schnickschnack verzichteten und stattdessen den puren Klang in den Vordergrund stellten. So entstand der legendäre Verstärker 3020, der nicht nur in seiner Preisklasse eine unerreichte Referenz war, sondern auch mit deutlich teureren High-End-Produkten mithalten konnte. Lyngdorf baute aber auch Boxen unter dem Label „Dali“ und gilt als einer der Väter des volldigitalen Verstärkers. Seit 2005 hat Lyngdorf seinem Namen schließlich zur Marke gemacht. Vielleicht wird er so zum Steinway unter den Hifi-Bastlern.

Steinway war nicht nur der amerikanisierte Name einer Familie aus dem Harz, sondern schon sehr bald nach der Gründung der Klavierfabrik vor 154 Jahren ein Qualitätsbegriff. Das Unternehmen mit Fabriken in New York und Hamburg steht für verfeinerte Musikalität. Und klassische, sprich analoge, Musikerzeugung. Analog oder digital ist ja sozusagen die Gretchenfrage unter Musikliebhabern. Während die einen am barocken Cembalo die Saiten anreißen und auf den Keyboarder am Synthesizer heruntergucken, stückeln andere am Computer Tonspur um Tonspur zusammen. Und auch im Abhören von Tonträgern lässt sich trefflich über die Vorteile analoger LPs und digitaler MP3-Dateien streiten.

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet die Firma Steinway & Sons sich jetzt auf die digitale Seite schlägt. Zusammen mit Lyngdorf haben sie ein Musiksystem auf den Markt gebracht, bestehend aus zwei Lautsprechern und einem zentralen Steuerelement mit digitalem Verstärker. Steinwaylike glänzt die Oberfläche der Geräte unter mehreren Lackschichten, ganz so wie der Klavierlack der Konzertflügel. Der deutschen wohlgemerkt, denn die amerikanischen Klaviere kommen in einer matteren Oberfläche daher. Entsprechend werden die Steinway-Lyngdorf-Anlagen auch in der Hamburger Fabrik veredelt.

Im Gehäuse steckt eine Technik, die Lyngdorf bereits erfolgreich mit seiner Hausmarke einsetzt: Room Perfect. Per Test-CD werden Töne durch den Raum geschickt und mit einem Mikrofon aufgenommen. Der Verstärker ermittelt das Abstrahlverhalten im Raum und passt den eingebauten Equalizer entsprechend an. Bei der Steinway-Anlage muss sich der Musikliebhaber allerdings nicht in die komplizierte Messtechnik einarbeiten, dazu kommt ein Mitarbeiter nach Hause. Kein Pianist würde schließlich auf die Idee kommen, seinen Flügel selbst zu stimmen.

Die Technologie ist in Tests von Hifi-Zeitschriften mit Begeisterung aufgenommen worden. Offenbar auch von Steinway & Sons. Denn das Musiksystem heißt in Anlehnung an die Bezeichnung für den größten Konzertflügel, den D-274, „Model-D Music System“. Vielleicht bedeutet das D aber auch nur digital.

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