Stifter, Spender und Sponsoren
Familientreffen in Frankfurt

Unternehmer übernehmen Verantwortung, als Bürger, Manager und Mäzene sind sich beim Thema Corporate Social Responsibility einig. Gewinnorientierung steht nicht im Widerspruch zu ihrem Engagement für Kultur, Soziales und Umwelt. Non-Profit bringt ihnen sogar Profit.

HB FRANKFURT. Deutschland ist das Land der Stifter. 10<&nbsp;964 Bürger investieren nach den Erhebungen des Stifterverbandes ihr Vermögen in Kunst, Kultur, in Sozialprojekte und Umweltinitiativen. Das gesamte Stiftungsvermögen wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt und die daraus fließenden Mittel für bürgerschaftliche Projekte auf viele hundert Millionen Euro jährlich.

Exakte Zahlen gibt es keine. Denn oft wirken die Stifter und Mäzene im Verborgenen. Mittelständische Unternehmer sind es zumeist, die ihr Geld nicht nur in Immobilien und Maschinen anlegen wollen, sondern auch in gesellschaftliches Engagement. Selbständige sind es, die ihr in Jahrzehnten erarbeitetes unternehmerisches Erbe gut abgesichert und nutzbringend für die gesamte Gesellschaft verwendet wissen wollen.

Zur Frankfurter Buchmesse trafen sich jetzt erstmals Stifter, Spender und Sponsoren auf Initiative des Handelsblatts und des Verlags Deutsche Standards. Anlass war am Donnerstag die Präsentation des Buches "Unternehmerische Verantwortung, herausgegeben von Florian Langenscheidt. 23 Stifter, die mit ihren Stiftungen auf dieser Seite auch porträtiert werden, fanden sich im Rahmen des Frankfurter Treffens zu einem Familienfoto zusammen, komponiert von Starfotograf André Rival.

Die Gönner und Geber stehen, wie Langenscheidt es formulierte, für Bürgerverantwortung und Engagement. Was gerade in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und wachsender sozialer Spannungen gefragt sein müsste. Doch wollen die Stifter nicht den Ersatz für einen unfähigen Staat spielen. "Wir dürfen die Ausgestaltung des Sozialen nicht dem Staat und seinen Hängematten überlassen", forderte Langenscheidt dazu auf, Corporate Citizenship unabhängig von politischen Mehrheiten und staatlichen Prioritäten zu beweisen.

Dieses Prinzip sollte nach Ansicht von Experten durchdachtes gesellschaftliches Engagement ohnehin von noch so noblem Spendertum unterscheiden. Im Neudeutsch heißt das "Corporate Social Responsibility". Und es bedeutet, dass gesellschaftliche Verantwortung von den Unternehmen geplant und mit System wahrgenommen wird.

Vor allem Kapitalgesellschaften, zumal wenn sie börsennotiert sind und sich deshalb auch einem großen Kreis von Aktionären verantworten müssen, brauchen eine Legitimation für ihr Handeln. Bürgerschaftliches Engagement ist deshalb am besten als Win-win-Situation zu begründen. Beide Seiten, so der Wissenschaftler André Habisch von der Universität Eichstätt, müssen von den Projekten profitieren. Geld verdienen und Geld für gesellschaftliche Zwecke auszugeben sind deshalb kein Widerspruch. Im Gegenteil: Die Unternehmen profitieren sogar von ihrem Engagement, weil es das Image fördert oder weil ihre Mitarbeiter wichtige Erkenntnisse in die Unternehmen zurücktragen.

Ohnehin spielen persönliches Engagement und persönliche Erfahrungen eine wachsende Rolle. Nach einer Befragung des Handelsblatts und des Verlags Deutsche Standards wächst das Interesse an so genannten Volunteering-Projekten, bei denen Mitarbeiter von den Betrieben freigestellt werden, um so für eine begrenzte Zeit in sozialen, sportlichen oder kulturellen Projekten zu arbeiten oder solchen Initiativen als Berater zur Verfügung zu stehen. Diese Partnerschaften haben den großen Vorteil, dass die Beteiligten auf beiden Seiten lernen und wichtige Erfahrungen später in den Betriebsalltag einbringen.

Spender und Sponsoren sind gleichwohl von großer Bedeutung. Laut Stifterverband betätigen sich 61 Prozent aller Stifter vor allem als finanzielle Förderer. Die anderen engagieren sich teilweise auch operativ, allerdings mit steigender Tendenz. Stiften ist keine Frage der Höhe des Vermögens. Fast 70 Prozent aller Stiftungen haben weniger als eine Million Euro Stiftungskapital. Auch die zur Verfügung stehenden Mittel belaufen sich zu zwei Dritteln auf maximal 100 000 Euro pro Jahr. Inzwischen bieten Sparkassen an, sich auch mit ganz geringen Beträgen an Bürgerstiftungen zu beteiligen.

Vor allem soziale Zwecke werden nach Darstellung des Verbandes dadurch unterstützt. Sie erhalten mehr als ein Drittel der Mittel. Stark gefördert werden zudem Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur. Allerdings haben sich die Prioritäten der Stifter im Laufe der Jahre deutlich angenähert. Die Förderung sozialer Einrichtungen hat zu Gunsten einer Vielzahl anderer Zwecke an Bedeutung verloren.

Das Buch zum Thema: "Unternehmerische Verantwortung" ist erschienen im Verlag Deutsche Standards. Vorgestellt werden 80 Unternehmen und ihr bürgerschaftliches Engagement. 30 Stifterporträts runden das Thema ab.

Florian Langenscheidt (Hrsg): Deutsche Standards - Unternehmerische Verantwortung. Verlag Deutsche Standards, Köln 2005, 384 Seiten, 78 Euro

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