Stiftung Buchkunst
Wegzehrung für die Reisen im Kopf

Geistreich, kostbar, anrührend, verblüffend und subjektiv gewählt: Die Stiftung Buchkunst hat „Die schönsten deutschen Bücher 2007“ gewählt: Eine Reise durch die nächtliche Metropole bietet der opulente Band „Jazz im New York der Wilden Zwanziger“, der sich den Ausnahmekünstlern des Jazz widmet. Doch unter den Preisträgern befinden sich weitere Juwelen.

DÜSSELDORF/BERLIN. Das waren Kerle! Der geniale Jazzkornettist Bix Beiderbecke verlor vor seinen legendären Konzerten immer den künstlichen Schneidezahn. Doch es galt „No tooth, no music“, und so waren seine Mitspieler ständig damit beschäftigt, den Zahn zu suchen.

Aufschneider, Dilettanten, Kellerlöwen und Vermarktungsgenies entfalteten in den goldenen Zeiten des New Yorker Jazz ihre atemberaubenden Künste. Diese Ausnahmekünstler von Louis Armstrong und Glenn Miller bis hin zu Chick Webb und Sidney Bechet feiern der Illustrator Robert Nippoldt und der Jazzexperte Hans-Jürgen Schaal in ihrem opulenten Band „Jazz im New York der Wilden Zwanziger“, der bis ins Detail grandios gestaltetet ist.

Das Buch ist ein Augen- und Ohrenschmaus, weil es neben den wunderschönen Zeichnungen und Künstleranekdoten auch eine CD mit passenden Originalaufnahmen bietet. Die scharfen Kontraste von Black und White auf hellbraunem Grund dominieren die hinreißenden Illustrationen Nippoldts und nehmen den Leser mit auf eine Reise durch die nächtliche Metropole; sie geleiten zu Bühnen und Bars, wo Jazz Lebensgefühl und auch Protest war. Meilensteine der Jazzgeschichte werden dokumentiert: Wir sind dabei, wenn Duke Ellington im Cotton Club brilliert und die Vierzentner-Sängerin Bessie Smith mit Armstrong den „St. Louis Blues“ schmettert.

Für Verleger lohnt es sich, schön gestaltete Bücher zu publizieren: Der Jazz-Band wurde gerade von der Stiftung Buchkunst beim Wettbewerb um „Die schönsten deutschen Bücher 2007“ ausgezeichnet.

Unter den Preisträgern ist ein weiteres Juwel: Die Neuauflage von Georg Forsters „Reise um die Welt“ mit seinen eigenen, lange verschollen geglaubten Illustrationen, die im Londoner Natural History Museum aufgespürt wurden. Spannend zu lesen ist das Reisetagebuch des jungen Forschers, der 1772 in Plymouth zusammen mit seinem Vater an Bord der „Resolution“ ging und unter dem Kommando des legendären Captain Cook drei Jahre unterwegs war. Sie segelten in Richtung Südsee, entdeckten neue Inseln, fremde Völker, unbekannte Tiere und Pflanzen. Forster schwärmt besonders von Tahiti, der schönen Südsee-Insel, die ihm nach Monaten auf hoher See wie ein Paradies erschien. Ein Eiland, bewohnt von friedlichen Menschen, das viele Europäer wie den Maler Paul Gauguin in den Bann zog. „Die Leute, welche uns umgaben, hatten so viel Sanftes in ihren Zügen, als Gefälliges in ihrem Betragen“, schreibt der 18-jährige Forster.

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