Stiftung Schloss Moyland
Ausstellungsverbot für Aktionsfotos

Auch die zweite Runde im Streit um Fotografien einer Live-Aktion von Joseph Beuys hat die Stiftung Museum Schloss Moyland verloren. Heute bestätigte das Oberlandesgericht Düsseldorf das Urteil der erstem Instanz. Ihm zufolge handelt es sich bei den 18 Aufnahmen des Fotografen Manfred Tischer um eine Umgestaltung der Aktion und damit um einen Eingriff in die Urheberrechte des Künstlers.
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BonnEs bleibt dabei. Die einzige Fotoserie, die etwas über eine anderweitig nicht dokumentierte Beuys-Aktion im Fernsehen erzählen könnte, darf nicht öffentlich gezeigt werden. Auch in zweiter Instanz wurde der Stiftung Schloss Moyland untersagt, die 18 bisher unveröffentlichten Aufnahmen des Fotografen Manfred Tischer im Museum auszustellen. Das Moyländer Museum hätte bei Eva Beuys, Inhaberin der Urheberrechte von Beuys, die Rechte für eine Ausstellung einholen müssen. Damit wurde das erstinstanzliche Urteil des Landesgerichts Düsseldorf vom 29. September 2009 durch das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt.

Kläger ist die in Bonn ansässige Verwertungsgesellschaft Bild Kunst, die für die Witwe Eva Beuys die Rechte wahrnimmt. Sie betrachtet die Ausstellung der Aktionsfotos von Tischer als eine Zerlegung der ursprünglich fortlaufenden künstlerischen Handlung in ein fotografisches Einzelbild und damit als unzulässige Bearbeitung der ursprünglichen Aktion von Beuys. Das Gericht befand, es handele sich um eine zwar dichte, aber gleichzeitig die Aktion verkürzende Folge von Fotografien und deshalb um eine „Umgestaltung“. Diese entferne sich jedoch nicht so weit von der Aktion, dass sie als freie, nicht genehmigungspflichtige Bearbeitung gelten könnte. Schauplatz der Handlung, der Beuys später den Titel „Das Schweigen von Marcel Duchamps wird überbewertet“ gab, war die live übertragene ZDF-Sendung „Die Drehscheibe“ vom 11. Dezember 1964.

Eine Aktion spricht alle Sinne an

Rechtsanwalt Simon Bergmann, der die Moyländer Stiftung vertritt, hält die Begründung des Oberlandesgerichts für „nicht haltbar“ und führt die an alle Sinne gerichtete komplexe Natur einer solchen Aktion ins Feld. „Wesentliche Merkmale eines Happenings wie Handlungsabläufe, Bewegung, Gestik, Worte und Klang gehen bei der fotografischen Darstellung verloren“, argumentiert Bergmann. Deshalb könnten die 18 Fotos nicht als eine „Bearbeitung des Beuys-Happenings im urheberrechtlichen Sinne angesehen werden“. Im Übrigen sei es im Verfahren unstreitig gewesen, dass Beuys die Anwesenheit des Fotografen während der Sendung begrüßt hätte. Das Gericht hatte dagegen den Standpunkt vertreten, es hätte keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Beuys mit einer solchen Bearbeitung einverstanden gewesen wäre.

Das Oberlandesgericht hat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Ob die Stiftung Schloss Moyland aber die dritte Instanz anrufen wird, wird das Stiftungskuratorium entscheiden. Sollte es bei dem Urteil bleiben, könnten serielle Fotodokumentationen nicht nur von künstlerischen Performances, Happenings und Aktionen sondern auch von Theaterstücken und Musikaufführungen stets von ihren Urhebern mit dem Argument der unzulässigen Bearbeitung untersagt werden.

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