„Still Life“ erhielt Preis
„Goldener Löwe“ geht nach China

Überraschungssieg bei den Filmfestspielen in Venedig: Der chinesische Film „Sanxia Horen“ (“Still Life“) wurde am Samstag vor Favoriten aus den USA und Großbritannien mit dem „Goldenen Löwen“ als bester Film ausgezeichnet.

HB VENEDIG. Der chinesische Regisseur Jia Zhang-Ke erhielt den Preis für seinen melancholischen Streifen „Still Life“ über das Schicksal von Anwohnern beim Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamms am Fluss Jangtse in China. „China erlebt derzeit einen tief greifenden Umbruch. Ich erzähle dabei die Probleme der einfachen Leute“, sagte der sichtlich gerührte 35-Jährige, der zur „neuen Kinogeneration“ in seiner Heimat zählt.

Als bester Schauspieler wurde Ben Affleck für seine Hauptrolle in „Hollywoodland“ von Regisseur Allen Coulter ausgezeichnet. Affleck war allerdings bei der kurzen und nüchternen Gala am Lido nicht anwesend. „Ich bin überrascht und geehrt“, ließ er per SMS wissen. Rauschenden Beifall dagegen erhielt die britische Schauspielerin Helen Mirren, die für ihre Rolle in „The Queen“ von Stephen Frears als beste Darstellerin geehrt wurde.

Der Goldene Löwe ist die große internationale Durchbruch für Jia Zhang-Ke und seine zumeist regierungskritischen Produktionen. Mit „Kleiner Wu“, „Bahnsteig“ sowie „Sorglos und unbekümmert“ machte er aber bereits auf internationalen Festspielen wie Berlin und Cannes auf sich aufmerksam. Doch die Entscheidung für ihn in Venedig war nach Meinung von Kritikern selbst innerhalb der Jury umstritten. Auch italienische Sonntagzeitungen betonten, die Entscheidung der Jury unter dem Vorsitz von Catherine Deneuve sei äußerst knapp gewesen. Festivaldirektor Marco Müller hatte den Siegerfilm „Still Life“ als „Überraschungsfilm“ ins Rennen geschickt, zuerst war der Streifen nicht als Bewerber um den Löwen genannt worden.

Deutsche hatten wieder mal kein Glück

Die Deutschen hatten wieder mal kein Glück: Unter den 22 Wettbewerbsfilmen war kein Werk eines deutschen Regisseurs. Auch der Film „Zwartboek“ (Schwarzbuch) des Niederländers Paul Verhoeven, ein Streifen mit deutscher Koproduktion, ging leer aus. Der Film „Heimat - Fragmente“ von Edgar Reitz lief lediglich in einer Nebenreihe. Den bisher letzten „deutschen Löwen“ gab es 1982 für „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders.

Kritiker sprachen von Ernüchterung in Venedig. Zwar liefen mehrere Hollywood-Produktionen mit großer Starbesetzung, ein wirklich großer, mitreißender Film blieb jedoch nach vorherrschender Meinung aus. Italienische Kritiker sahen zumeist ihren Landsmann Emanuele Crialese mit „Nuovomondo“ vorn. Doch der dramatische Film über die Auswanderungswelle in Italien vor 100 Jahren bekam lediglich den neu geschaffenen Preis des „Silbernen Löwen für die größte Entdeckung des Festivals“ - ein „Trostpreis“, wie Kritiker meinten.

Den Silbernen Regie-Löwen gewann der französische Altmeister Alain Resnais für „Privat Fears in Public Places“. Der Spezialpreis der Jury ging an Regisseur Mahamat Saleh Haroun aus dem afrikanischen Tschad für seinen Streifen „Daratt“. Bereits zuvor hatte der amerikanische Regisseur David Lynch den Goldenen Ehrenlöwen für sein bisheriges Gesamtwerk erhalten.

Das Festival in der Lagunenstadt gerät in diesem Jahr erstmals unter Druck durch Konkurrenz im eigenen Lande: Mitte Oktober veranstaltet Rom ein eigenes Filmfestival, zu dem sich bereits Topstars wie Nicole Kidman angekündigt haben.

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