Kultur + Kunstmarkt
Streit um die älteste Aktie der Welt

Ein neuer Film mit George Clooney soll dem Gemeindearchiv von Amsterdam helfen, die wohl älteste Aktie der Welt wieder in seine Sammlung zurückzubekommen. Das wertvolle Stück, ein Inhaberanteil der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) vom 27. September 1606, ist nach Angaben des Archivs Anfang der achtziger Jahre aus seiner Sammlung gestohlen worden.

dpa AMSTERDAM. Ein neuer Film mit George Clooney soll dem Gemeindearchiv von Amsterdam helfen, die wohl älteste Aktie der Welt wieder in seine Sammlung zurückzubekommen. Das wertvolle Stück, ein Inhaberanteil der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) vom 27. September 1606, ist nach Angaben des Archivs Anfang der achtziger Jahre aus seiner Sammlung gestohlen worden.

Heute befinde es sich in einer Sammlung in Deutschland. Von dort wollen sie es zurück haben, sagen die Amsterdamer. Sie berufen sich auch auf Angaben von Reinhild Tschöpe, Chefin eines Auktionshauses für historische Wertpapiere und Finanzdokumente bei Düsseldorf, im Internet.

Um den Diebstahl einer solchen Aktie geht es im Film „Ocean's Twelve“, der noch dieses Jahr in die Kinos kommen soll. Clooney und Komplizen stehlen darin ein VOC-Wertpapier. Die Publizität um das Leinwand-Opus könne mithelfen darauf hinzuweisen, dass auch in der Realität solch ein Dokument aus dem Gemeindearchiv Amsterdam gestohlen wurde, sagt ein Sprecher des Archivs. Die Tat geschah nach seinen Angaben Anfang der achtziger Jahre. Aber erst 1994 habe man nach weiteren Diebstählen aus dem Archiv Anzeige erstattet.

„Wir wissen, dass das jetzt in Deutschland liegende Dokument die gestohlene Aktie ist, und wir wollen sie unbedingt wieder haben,“ sagt im Archiv Andre Hirs. Amsterdam war schließlich die Heimat des ersten multinationalen Unternehmens, das Anteilsscheine ausgab.

Auktionatorin Tschöpe sieht aber keinen schlüssigen Beweis dafür, dass die fragliche Aktie des ihr bekannten Sammlers illegal erworben worden sei. Ursprünglich habe ein Fan alter Papiere Anfang der achtziger Jahre das Dokument von einem Antikhändler in Amsterdam offiziell gekauft, sagt sie. Als der Sammler 1999 seine Schätze zu Geld machte, fragte Tschöpe in Amsterdam einen namhaften VOC-Experten um ein Gutachten, da sie das einmalige Stück versteigern wollte. Die Expertise habe sich jedoch erübrigt, weil ein Kaufinteressent auftauchte, mit dem Einigung über den Preis erzielt wurde. Wer der heutige Besitzer ist und was er bezahlte, sagt Tschöpe nicht.

„Bis zu meinem Besuch 1999 in Amsterdam galt eine andere VOC-Aktie von 1606 im Besitz der Amsterdamer Börse als ältestes Anteilspapier der Welt,“ sagt sie heute. Wochen nach ihrem Besuch in Holland sei der Fachmann aber zu ihr gekommen, habe von dem Diebstahl der achtziger Jahre erzählt und angeboten, für 50 000 DM die älteste Aktie zu kaufen.

„Darüber hat der Besitzer nur gelacht“, schildert sie. Wegen des nach seiner Ansicht absolut unzureichenden Angebots habe er Verhandlungen mit dem Archiv abgebrochen. In Amsterdam wird der gebotene Betrag bestätigt. Er sei auf Grund einer unabhängigen Bewertung zu Stande gekommen. Offenbar habe der Besitzer in Deutschland wohl gedacht, Hunderttausende herausschlagen zu können, sagt man dort.

Reinhild Tschöpe will keine Zahlen nennen. Im heutigen Markt der einst als wertlose „Nonvaleurs“ eingestuften alten Weltpapiere gebe es aber genug Beispiele für sehr hohe Preise, die Liebhaber für sehr seltene Stücke zu zahlen bereit seien, meint sie.

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