Streit um Kunstverkauf: NRW-Ministerin nimmt Berlin in die Pflicht

Streit um Kunstverkauf
NRW-Ministerin nimmt Berlin in die Pflicht

Wieder soll in NRW millionenschwere Kunst eines landeseigenen Unternehmens verkauft werden. Das Land lässt die Kritik aus Berlin nicht auf sich sitzen. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer geht in die Offensive.
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DüsseldorfDer drohende weitere Millionenverkauf von Kunst aus indirektem Besitz Nordrhein-Westfalens wird zum Zankapfel zwischen Land und Bund. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) nahm am Mittwoch den Bund in die Mitverantwortung für den umstrittenen Verkauf der Kunstsammlung der WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon.

Neben dem Land sei auch der Bund als stiller Gesellschafter der Portigon „maßgeblich von den anstehenden Entscheidungen betroffen“, erklärte Schäfer in Düsseldorf. „Deshalb muss auch das Bundesfinanzministerium mit einbezogen werden“, sagte die Ministerin.

Portigon ist die Rechtsnachfolgerin der infolge von Milliardenverlusten zerschlagenen WestLB. Sie wickelt den Geschäftsbetrieb der ehemaligen Landesbank ab. Wegen des angekündigten Verkaufs von indirekt landeseigener Kunst hatte auch die rot-grüne Landesregierung scharfe Kritik einstecken müssen. Schon die Versteigerung von zwei Warhol-Bildern aus dem Besitz des landeseigenen Casino-Betreibers Westspiel Euro hatte Proteste ausgelöst.

Schäfer forderte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nun mit Blick auf das Bundesfinanzministerium auf, „ihren Einfluss auf Bundesebene“ zu nutzen, um den am 5. Februar geplanten Runden Tisch in NRW zur Zukunft der Kunst in landeseigenen Unternehmen zu unterstützen. Selbstverständlich prüfe das Landesministerium auch sorgfältig, ob es sich bei den Portigon-Werken um national wertvolles Kulturgut handele, das nicht ausgeführt werden darf. Das Verfahren habe sie bereits eingeleitet, sagte Schäfer. Grütters hatte NRW mit dem Eingreifen des Bundes gedroht, sollte eine Abwanderung von national wertvollem Kulturgut drohen.

Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer hatte den Kunstverkauf als „alternativlos“ wegen der EU-Vorgaben bezeichnet. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag) sagte Franzmeyer, von den rund 400 Objekten könnten etwa 150 als „hochwertig“ angesehen werden. Dazu gehören Werke etwa von August Macke, Pablo Picasso, Paul Signac, Henry Moore, Joseph Beuys, Sigmar Polke.

Portigon müsse die Kunst zu Marktpreisen verkaufen, um nicht den „Tatbestand der Untreue“ zu erfüllen, sagte Franzmeyer der „Zeit“. „Das Land als Ganzes muss sich Gedanken machen, welche Kunst man behalten will - und wie sich dieses Ziel erreichen lässt. Das betreffe neben der Politik auch „Museen, Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen“. „Wir arbeiten gerne an einer solchen Lösung mit, aber sie muss für uns juristisch und wirtschaftlich tragbar sein.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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