Stuart Pigott
Der Weinkenner auf Exotentour

Der Autor und Weinkritiker Stuart Pigott provoziert gern. Vor einigen Jahren brachte er die Weinwelt gehörig durcheinander, als er behauptete, es gebe keinen guten oder schlechten Wein.

HB FRANKFURT/MAIN. Dann kokettierte er damit, dass ihn das „elitäre Gehabe“ von Weintrinkern nerve. Nun hat Pigott zu einem neuen Schlag ausgeholt. In seinem aktuellen Buch „Wilder Wein - Reise in die Zukunft des Weins“ stellt er exotische Anbaugebiete wie in Thailand und Indien vor. Sein Fazit: „Es gibt keine guten oder schlechten Anbaugebiete - der Wein ist gut, wenn sich Winzer und Reben an ihre Umgebung anpassen.“

Dafür reiste der gebürtige Brite in die für Weinbauern ungewöhnlichsten Gegenden der Welt und entdeckte im indischen Hinterland und im trockenen Dakota der USA „irre Weine“, wie er sagt. Die größte Überraschung erlebte der in Berlin lebende Pigott jedoch in Thailand, wo er einen fruchtig schmeckenden Rotwein trank, der allerdings nicht aus Trauben, sondern aus einer Ginseng-artigen Wurzel hergestellt worden war. „Ich hatte zwar erst einige Bedenken“, gibt Pigott zu, „aber der Wurzel-Wein hat wahnsinnig gut geschmeckt.“

Erlebnisse wie diese beschreibt der 46-Jährige in Tagebuchform, so dass die Leser jeden Schritt seiner Reise miterleben können. Von der Anreise im Hotel über die exzessive Verkostung der regionalen Weine bis hin zum anschließenden alkoholgeschwängerten Kampf mit dem Gleichgewicht - sein neues Buch dreht sich nicht nur um Wilden Wein, sondern um Pigott und den Wilden Wein.

Diese Herangehensweise klingt zuerst sicherlich wie ein nerviger Ego-Trip des Autors, in Wirklichkeit aber liest es sich wie ein ganz unterhaltsamer Roman. Vor allem jedoch gelingt es Pigott wie in seinen anderen Werken erneut, die Grenze zu seinen Lesern zu durchbrechen: Er begibt sich auf ihre Ebene, schmeckt sich unsicher durch die Welt der Weine und erzählt von dröhnendem Schädel und Übelkeit.

Diese Verknüpfung von Weinkritik und Selbstinszenierung sind typisch für den Wein-Autodidakten Pigott, der vor 20 Jahren sein Studium der Kunstgeschichte in London abschloss und seitdem als freier Weinjournalist arbeitet. Mit seiner Idee, das Weintrinken aus der intellektuell angehauchten Ecke hervorzuholen, feiert er bereits seit einigen Jahren Erfolge als Buchautor, ist Kolumnist bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und schreibt für den „Feinschmecker“ und den „Weingourmet“. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ nannte ihn sogar schon „Experte von feinsten Gaumengnaden“.

Jetzt hat Pigott also auch die Welt der exotischen Weine entdeckt. „Die Rebe ist zwar kein Kaktus, sie muss gerade in trockenen oder kalten Regionen besonders gepflegt werden“, sagt er. Aber die neuen Weine aus Thailand und Indien seien alles andere als schlechte Cocktails. „Es sind irre Getränke, bei denen ich gerne das Glas hebe und sage: Prost!“ Stuart Pigott: Wilder Wein - Reise in die Zukunft des Weins

Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 480 S., Euro 22,90

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