Studie zu Integration
Eher Hassan als Hermann

Die Vornamen der Kinder von Einwanderern sind ein Indiz für ihre Integration. Dies ist das Ergebnis einer soziologischen Studie der FU Berlin. Insgesamt geben nur 36 Prozent aller Einwanderereltern ihren Kindern deutsche Namen. Indes greifen deutsche Eltern immer häufiger zu internationalen Namen - und bekunden so ihren Willen zur Globalisierung.

DÜSSELDORF. Vom Vornamen eines Menschen kann man nicht nur aufs Geschlecht schließen, sondern auch auf dessen nationale und kulturelle Zugehörigkeit. Die Soziologen Jürgen Gerhards und Silke Hans von der Freien Universität Berlin haben untersucht, wie durch die Namensgebung Einwanderer die gewünschte ethnische Zugehörigkeit ihrer Kinder signalisieren.

Dabei stellten sie große Unterschiede zwischen den Einwanderern verschiedener Herkunftsländer fest. Insgesamt geben nur 36 Prozent der Einwanderereltern ihren Kindern Namen, die auch unter Deutschen üblich sind oder zumindest verwandte Versionen (zum Beispiel Paulo und Paul). Unter den romanischen Einwanderern (Portugiesen, Spanier, Italiener) sind es 65 Prozent, unter denen aus dem ehemaligen Jugoslawien 57 Prozent, aber nur zehn Prozent der türkischstämmigen Eltern geben ihren Kindern Namen, die auch in Deutschland üblich sind - sei es auch in ähnlicher Form.

Die Namenswahl der Eltern, so die Autoren, "hängt entscheidend davon ab, in welchem Ausmaß sie selbst in die deutsche Gesellschaft integriert sind". Wer mit Deutschen befreundet und nicht nur mit anderen Einwanderern derselben Herkunft vernetzt sei, neige deutlich stärker dazu, seinem Kind einen deutschen Vornamen zu geben. Auch der gesellschaftliche Status beeinflusse die Namenswahl von hier lebenden Ausländern: "Eltern, die ein hohes Bildungsniveau erreicht haben, bevorzugen für ihre Kinder eher einen in Deutschland typischen Namen als bildungsferne Eltern." Eingewanderte, die die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, übernehmen auch in der Namensvergabe eher deutsche Gewohnheiten als diejenigen, die ihre bisherige Nationalität beibehalten.

Die Studie bestätigt andere Erhebungen der jüngsten Zeit, die türkischen Einwanderern und auch deren Nachkommen in der dritten Generation eine vergleichsweise schlechte Integration in die deutsche Gesellschaft bescheinigen. Daran ändert auch der beschwichtigende Einwand von Gerhards und Hans gegen ihre eigene Studie nichts: Europäischen Einwanderern falle es schließlich leichter, einen Namen zu wählen, der in Deutschland und im Herkunftsland in gleicher oder ähnlicher Schreibweise verbreitet sei. Ein Italiener, der seinen Sohn Marco nennt, entfremdet ihn dadurch weder seiner italienischen Herkunft noch seiner deutschen Umwelt. Türken dagegen, die ihrem Kind einen deutschen Namen geben wollen, "haben eine relativ harte Schwelle zu überwinden", schreiben Gerhards und Hans, weil für sie ein deutscher Name phonetisch fremd erscheine. Stelle man diese kulturelle Begrenzung in Rechnung, dann sei es doch beachtlich, dass immerhin knapp zehn Prozent der türkischen Einwanderer ihren Kindern Namen geben, die nicht eindeutig türkisch konnotiert sind.

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