Stuttgarter Galerieverein
Das Museum attraktiver machen

Parallel zu den wachsenden Haushaltsnöten des Museums hat der Stuttgarter Galerieverein einen Wandel verordnet, der Respekt abnötigt. Wie der Stuttgarter Galerieverein Unternehmen und Sammler für die ehrwürdige Staatsgalerie begeistern will.

STUTTGART. Die Klagen des Bundesrechnungshofes über Versäumnisse bei der Bestandspflege und Finanzverwaltung der Staatsgalerie in diesem Sommer sorgte zwar auch für Erschütterung in dem 12 500 Mitglieder starken Stuttgarter Galerieverein. Doch die nun anfallenden Hausaufgaben „sind Sache der Museumsleitung“, sagt Jürgen Hubbert, seit Januar Vorstandsvorsitzender dieses gerade 100 Jahre alt gewordenen Freundeskreises.

Das eigentliche Ziel des Vereins ist nämlich, das Haus bei besonderen Ankäufen zu unterstützen - so wie vor 100 Jahren, als er Monets „Felder im Frühling“ (1887) erwarb. Inzwischen hilft der Freundeskreis aber auch bei Ausstellungsvorhaben, Katalogpublikationen, bei der Kunstvermittlung und bringt mit einer Finanzspritze von 1 Mill. Euro schließlich sogar die lange fällige Renovierung der Alten Staatsgalerie auf den Weg. „Eine einmalige Aktion“, erzählt Hubbert, „die aber aus unserer Sicht sehr viel Sinn macht. Ich glaube, dass Häuser wie die Staatsgalerie zunehmend auf private Hilfe angewiesen sind.“

Wer genauer hinsieht, entdeckt, dass sich der Stuttgarter Galerieverein parallel zu den wachsenden Haushaltsnöten des Museums einen Wandel verordnet hat, der Respekt abnötigt. Vor 14 Jahren betraf dies vor allem eine Erweiterung seiner originären Aufgabe. Nun beschloss die Mitgliederversammlung als jüngste Maßnahme, den Vorstand zu straffen, zu verjüngen und jedes seiner sechs Mitglieder seinen Fähigkeiten entsprechend auf ganz bestimmte Themen anzusetzen. Die Geschäftsführerin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, auf die Jugendarbeit, den McKinsey-Berater Wilhelm Rall, der vor wenigen Jahren auch den Betrieb der Staatsgalerie analysieren musste, auf Finanzen, Sponsoren und den Ausbau des Förderkreises oder den Verlagsleiter Albrecht Hauff, selber Kunstsammler, auf den Ausbau des Sammlernetzwerks.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Galerieverein damit momentan besser gerüstet ist als die Staatsgalerie selber. Wenn ab 1.11. Sean Rainbird, derzeit noch Senior Curator an der Tate in London die Leitung des Museums übernimmt, wird er zwei vordringliche Aufgaben haben: Er muss einen kaufmännischen Direktor installieren und sich Gedanken über eine neue Sammlungspolitik machen, die den Schwerpunkt stärker auf die zeitgenössische Kunst legt.

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