Südafrikanische Kunst
Die Sehnsucht nach Klassikern

Reiche Südafrikaner zahlen bei Bonhams Millionenpreise für ihre moderne Kunst. Erst Ende März erzielte ein Gemälde der südafrikanische Malerin Irma Stern den Rekordpreis von 3,04 Millionen Pfund.
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LondonBeeindruckende Rekordpreise gab es bei Bonhams, dem führenden Auktionator für afrikanische Kunst, weniger für die zeitgenössische Kunst: Der Afrika-Markt ist vielmehr auf der Suche nach seinen Klassikern. Für sie bezahlen Südafrikaner Preise, die sich mit denen für die europäische Moderne durchaus vergleichen lassen. Auch in Bonhams Auktion „Africa Now“, eigentlich der Contemporary Art gewidmet, war das Toplos – 54.000 Pfund oder 62.000 Euro – eine Tanzszene von 1964 von dem nigerianischen Maler Ben Enwonwu (1917-1994).

Für eine kleine Gruppe südafrikanischer Maler der Klassischen Moderne gelten ganz eigene Gesetze. Angeführt wird sie von der Malerin Irma Stern (1894-1966), deren Preise, fast unbemerkt von Außenstehenden, seit drei Jahren in den Himmel schießen. Sterns Gemälde „Arabische Priester“ erzielte Ende März einen Rekordpreis von 3,04 Millionen Pfund, das Doppelte der Schätzung. Damit liegt der Höchstpreis für Sterns Malerei höher als der ihres viel berühmteren deutschen Lehrers Max Pechstein. Denn Stern, in Transvaal als Tochter deutsch-jüdischer Eltern geboren, stellte zum ersten Mal 1919 in Berlin aus und lernte das Malen im Umkreis der Brücke.

Bonhams hatte erst im Herbst einen Rekord für Stern aufgestellt, mit 2,4 Millionen Pfund für das in bunte Tücher gehüllte „Bahora Girl“. Ein sitzender Mädchenakt mit einem Korb Orangen, der an Paul Gauguins Haiti-Bilder erinnert, wurde in der jüngsten Auktion nun zweitteuerstes Los mit 1,7 Millionen Pfund bei einer Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund. Stern brachte die freie Malerei und die intensiven Farben der deutschen Expressionisten nach Südafrika. Von einer Reise ins Zululand schrieb sie: „Die Bilder fallen mir in den Schoß wie reife Birnen im Herbst.“

Es gab in der Abendauktion weitere Rekordpreise für Maler wie Alexis Preller (1911-1975, 748.000 Pfund) und Gerard Sekoto (1913- 1993, 602.400 Pfund) – den ersten schwarzen Südafrikaner, der im europäischen Stil malte. „Yellow Houses, District Six“ beschreibt in heißen Farben einen faulen Nachmittag in der Hitze des Armenviertels. Bonhams Experte Giles Peppiatt glaubt, dass gerade dieser Maler noch unterbewertet ist. Angetrieben wird dieser Markt nicht nur von südafrikanischem Rohstoffreichtum, sondern auch einer über den Globus verstreuten Diaspora wohlhabender Exilsüdafrikaner.

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