Sweet Sixteen
Ausbruch aus der Gesellschaft

Alles beginnt mit Markus. Der verschmäht die Gummibärchentorte und haut an seinem 16. Geburtstag einfach ab. "Kann ein bisschen später werden, war das Letzte, was seine Eltern von ihm hörten." Selbst das Handy, mit dem ihn die Polizei orten könnte, schickt er per Post an eine ihm unbekannte Studentin.

HB BERLIN.Die Autorin Birgit Vanderbeke nimmt sich in ihrem neuen Buch "Sweet Sixteen" eines spannenden Themas an. Was wäre, wenn junge Leute einfach ausstiegen und die Gesellschaft verließen, um ihr eigenes Leben zu leben? Was passiert, wenn sie den Generationenvertrag kündigten, auf dem unser Rentensystem aufbaut? Markus ist nicht der Einzige, der sein Elternhaus verlässt. Weitere Jugendliche folgen ihm. Es beginnt eine wilde Mediendebatte.

Seit Jahren werden Birgit Vanderbekes Bücher von einer großen Fangemeinde mit Spannung erwartet. Die Erzählung "Das Muschelessen", für die sie vor 15 Jahren den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und "Alberta empfängt einen Liebhaber" gehören zu jenen Büchern, die man in der deutschen Gegenwartsliteratur gelesen haben sollte. Der geschliffene, präzise Stil und die Abgründe, die sich hinter scheinbar harmlosen Sätzen verbergen, sind zu einem Markenzeichen der 49-jährigen Autorin geworden.

Genau diese sprachliche Genauigkeit vermisst man in "Sweet Sixteen". Vanderbeke peppt ihre Sprache mit modischen Begriffen auf, die ein müder Ich-Erzähler aus der mittleren Generation den Lesern übersetzt. Auch wenn die Autorin nicht den Fehler macht, die Sprechweise von Jugendlichen zu kopieren, laufen ihre Formulierungen ins Leere.

Hinter den kunstvollen japanischen Begriffen wie Otaku, die die Kinder verwenden, um sich von den Erwachsenen abzusetzen, lauert das Nichts. Denn spätestens nach 30 Seiten beginnt man, sich zu fragen, was die 16-Jährigen eigentlich antreibt? Sie bleiben auch in Vanderbekes Horizont verschwunden, werden zwar als Bewegung gekennzeichnet, kommen jedoch nur schemenhaft vor. Lediglich in einem Pamphlet, das im Internet auftaucht, erklären die Jugendlichen, dass sie mit den Depressos und Regressos nicht zusammenleben können. Gut, das ist nun mal so, wenn man 16 Jahre alt ist und es als "blanken Missbrauch" empfindet, "wenn man an Wochenenden nicht raus und was machen dürfe und sich stattdessen ansehen müsse, wie die eigenen Erziehungsberechtigten zu ferngesteuerten Idioten mutierten".

So wird Birgit Vanderbekes Idee von den Ausreißern nur zu einem Gerüst für eine brachiale Schelte gegen Medien, Schule und Eltern. Vorsorglich hat der Verlag "Sweet Sixteen" eine Komödie genannt. Beißend ironisch und komisch ist das Buch nur bedingt.

BIRGIT VANDERBEKE: Sweet Sixteen S. Fischer Verlag, Frankfurt 2005, 144 Seiten, 16,90 Euro

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