Sylter Polo-Turnier
Inselreich

Im Windschatten des Polo-Events breitet sich immer mehr gehobene Lebensart über Sylt aus und die Hautevolee tummelt sich noch offensiver auf dem Eiland. Doch es gibt auch kleine, windstille Ruhe-Oasen.

DÜSSELDORF. „Rasend kommt der fremde Wind und rüttelt das Dasein“, schreibt ein Inder über Sylt. Recht hat er. Anant Kumar war über Wochen auf der Insel und ist in seinem Fazit den Deutschen, dem Deutschen nie so nah gekommen wie hier. Die vermeintliche Promi-Insel ist Spiegelbild der Boulevard-Welt, doch die stillen Ecken zwischen „Ellenbogen“ im Norden und Hörnum im Süden sind Ruhe-Oasen nach Sansibar- und Gogärtchen-Champagner-Frühstück.

Windstill ist es im tiefen Tal der Dünen und hoffentlich auch in Keitum. Immerhin findet hier mit den German Polo Masters ein europäisches Spitzenturnier statt. Mit Teams aus Argentinien und England, die hoffentlich nicht gegen die Böen anreiten müssen. Denn dann werden die 60 Sachen, mit denen die „Criollos“, die Polo-Ponys, gemeinhin galoppieren, ausgesprochen schwierig zu erreichen sein. Sogar zwei englische Top-Profis mit einem Handicap von +7 (die Bandbreite im Polo reicht von -2 bis zum Maximum +10) schlagen zu. Siebeneinhalb Minuten dauert so ein „Chukker“, eine Polo-Halbzeit (wovon allerdings mindestens vier gespielt werden).

Acht Teams mit je acht Spielern stürmen über den Rasen, der wiederum in den Pausen vom Publikum gestürmt wird – wer erinnert sich nicht an die Szene aus Pretty Woman, als Julia Roberts kichernd das Grün wieder festtritt?! Dafür gibt es andere Anlässe: Der „kunst:raum sylt quelle“ von Indra Wussow ist so ein Ort, eine Insel auf der Insel gewissermaßen. Im Glaspavillon finden anspruchsvolle Ausstellungen jenseits urlaubstypischer Aquarellquälereien statt. Die Literaturwissenschaftlerin und Mineralwasserquellen-Erbin schenkt zudem in ihrer „Strandmuschel“ lokales Mineralwasser aus.

Im Windschatten des Polo-Events breitet sich immer mehr gehobene Lebensart über die Insel aus. „Just-Fine“, eine Messe für herrlich Überflüssiges, schlägt zeitgleich mit dem Polo-Publikum ihre Zelte auf. Im Wortsinn: Unter Planen gibt es Haute Couture, Antiquitäten, Oldtimer und Kaviar.

Der Luftzug des Besonderen umweht den Gast auch im „Fitschen“. Es muss (ja) nicht immer Kaviar sein, Tatar von Matjes und Lachs mit Kräuterschmand belegen schmackhaft den regionalen Bezug des Gastronomenpaars Manfred und Verena Fitschen, die seit 16 Jahren auf der Wind-und-Wellen-Insel sind. Ganz locker, denn – Fitschen über Fitschen: „Für die Michelin-Sterne muss der Service eine gewisse Förmlichkeit haben, bei uns ist es da deutlich entspannter.“

Falls es denn auffrischt, vergessen Sie Polo: Sylt zählt zu den anspruchvollsten Surfrevieren Europas, und beim Racing werden Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreicht. „Entweder fege ich dich weg. Oder du umarmst mich“, würde Anant Kumar kommentieren.

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