Synagoge
Kunstaktion mit Autogasen sorgt für Aufsehen

Der Kölner Autor Ralph Giordano hat die Kunstaktion in der ehemaligen Synagoge von Pulheim-Stommeln kritisiert, bei der der spanische Künstler Santiago Sierra (39) am Sonntag Autoabgase in das Gebäude geleitet hat.

HB PULHEIM/KÖLN. „Hätte Sierra auch nur die kleinste innere Beziehung zu der Welt der Opfer, hätte er sich sein Pulheimer Machwerk verkniffen“, sagte der Holocaust-Überlebende am Montag in Köln und forderte das Ende der - jeweils sonntags - bis 30. April geplanten Aktion. Der Bürgermeister des Ortes, Karl August Morisse, müsse „dem Spuk ein rasches Ende“ bereiten. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland erneuerte seine heftige Kritik: „Das fiktive und geschmacklose Kunstspektakel verletzt nicht nur die Würde der Opfer des Holocausts sondern der jüdischen Gemeinschaft“, agte Generalsekretär Stephan J. Kramer. Wer mit einer solchen Aktion, noch dazu in einer Synagoge, eine „Gaskammer“ simuliere, „missbraucht schamlos die Kunstfreiheit“.

Der international in der Kunstszene als Provokateur bekannte Spanier hat nach eigenem Bekunden mit der Aktion auf die „Banalisierung der Erinnerung an den Holocaust“ hinweisen wollen. Am Eröffnungssonntag hatten bereits Dutzende Besucher den mit tödlichem Kohlenmonoxid gefüllten ehemaligen Synagogenraum mit einer Gasmaske und in Begleitung eines Feuerwehrmannes betreten.

„Den Ermordeten und den Überlebenden des Holocaust bleibt in Deutschland nichts, aber auch nichts erspart“, kritisierte Giordano.Die Aktion von Santiago Sierra habe nicht das geringste mit Kunst zu tun, sagte der Publizist und Autor („Die Bertinis“).

Die „Sierra-Verfehlung“ und die Reaktion der kommunalen Verantwortlichen von Pulheim mache deutlich, dass eine intensive Diskussion über neue und angemessene Formen der Erinnerungskultur „längst überfällig ist“, betonte der Zentralrats-Generalsekretär. Diese Forderung habe der Zentralrat schon bei der Auseinandersetzung um das Holocaust-Mahnmal in Berlin ins Gespräch gebracht. Es gehe dabei um seriöse und angemessene Wege, ohne Schuldzuweisungen bei jungen Menschen „ein Verantwortungsgefühl für die Gegenwart und Zukunft zu erreichen“, betonte Kramer. Das Werk Sierras „degradiert Geschichte zu einem fiktiven Spektakel und ist dabei nur schädlich“.

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