Tafeldesigner
Hauptsache schön üppig

Anders als beim pragmatisch orientierten Neandertaler isst heute primär das Auge mit. Das wissen moderne Gastgeber schon lange. Damit der Tischschmuck nicht unerfahren spießig oder gewollt kreativ gerät, engagieren sie sicherheitshalber professionelle Tafeldesigner.

DÜSSELDORF. Es war einmal eine Zeit, da genügte der Besitz eines ehrbar erworbenen „Tischlein-deck-dich“, um als Gastgeber zu reüssieren, sich hoher Beliebtheitsgrade in Nachbarschaft und Freundeskreis zu erfreuen. Das sonntägliche „Promidinner“ im TV beweist, dass märchenhafte Zauberei heute nicht mehr genügt.

Tafelfreuden werden weniger durch den guten Geschmack denn durch die sorgfältig durchdachte Präsentation der „Erbse an Püree“ oder des „Duetts von Reh und Rotkohl“ hervorgerufen. Anders als beim pragmatisch orientierten Neandertaler-Clan isst heute primär das Auge mit.

So erfreuen sich Innenausstatter, Floristen, Requisiteure und Designer einer stetig wachsenden Nachfrage als Tafelschmücker und -bestücker. Wer leistet sich schon gern einen Fauxpas wie ein gewisser Märchenkönig, der bei der Tauffeier seines Töchterchens zu wenig güldenes Geschirr zur angemessenen Feen-Bewirtung hatte und mit hundertjährigem Tiefschlaf abgestraft wurde?

Es muss nicht immer ein künstlerisch wertvolles Arrangement aus dem Sortiment einer Gabriele Henkel sein. Mit einer Nachfrage bei Tanja Heumann hätte Herr Märchenkönig das Fettnäpfchen auch geschickt umgangen. „Bei Geburtstagen fragen wir nach den Hobbys des Gastgebers und nutzen die bei der Gestaltung“, so Heumann, die im Familienbetrieb „all 4 design“ arbeitet.

„Und als wir im Düsseldorfer NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft die Dekoration zur Vernissage der Testino-Ausstellung gemacht haben, haben wir uns natürlich auch mit den Aussagen seiner Fotos beschäftigt.“ Als Ergebnis schmückten sparsam eingesetzte knallrote Lippenstifte und Nagellackfläschchen die Stehtische, wurde die Theke mit raffiniert eingesetztem Kerzenschein in Szene gesetzt. Bei einem Firmenjubiläum in China wurden Ventilatoren geordert, die während des Rotierens eine 100 aufblinken ließen – ein von den Gästen mit Beifall bedachter Einfall.

Weddingplaner Frank Mathée arbeitet in der Regel nach der Maxime: mehr ist mehr. Doch ob nun blaue Zuckerwatte oder Swarovski-Steine von den Theo-Waigel-Brauen des Bräutigams ablenken sollen oder mittels prächtiger floraler Ausgestaltung einem neutralen, gar tristen Raum Charisma verliehen wird, das ist und bleibt Kundenwunsch. „Aber Üppigkeit, so heißt der Trend aller Trends“, betont Matheé.

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