Tatort „Franziska“
Beängstigend. Gut.

Ein Tatort im Nachtprogramm? Die Kölner Episode „Franziska“ verbannte der Jugendschutz in die Zeit nach 22 Uhr. Es entstand ein seltenes, aber intensives Kammerspiel.
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Der Tatort lebt von seinen Konventionen, von den vielen Bräuchen. Einer davon ist, dass die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk am Ende fast jedes Falls vor einer Würstchenbude am Rheinufer stehen. Meistens haben sie dann noch einen lockeren Spruch auf den Lippen. Nach 89 Minuten Mord und Totschlag wird man ja auch mal lachen dürfen. Mit einem süffigen Kölsch spülen sie die zuvor präsentierte Sozialkritik runter. Letzte Einstellung: der friedliche Blick auf den Rhein und Kölner Dom bei Nacht, die dem Zuschauer signalisieren: Sie können beruhigt schlafen gehen, jetzt ist die Stadt, naja, eigentlich die ganze Fernsehnation wieder sicher.

Diesmal ist das anders. Ein wohliges „Alles ist wieder gut“-Gefühl gibt es in dieser Tatort-Folge nicht. Der Tatort „Franziska“, der wegen seiner Brutalität schon einigen Monaten für Schlagzeilen sorgte, ist ein geradlinig erzählter, hochspannender Thriller geworden. Nichts ist mehr zu spüren von der bräsigen Müdigkeit, die zuletzt die Episoden des Kölner Teams bestimmte.

Das liegt vielleicht auch daran, dass die beiden Kommissare zunächst gar nicht auftauchen. Im Mittelpunkt steht Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstedt), die ewige Assistentin von Schenk und Ballauf. Als angehende Bewährungshelferin von Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann), einem Mörder und Vergewaltiger, der seine Strafe fast abgesessen hat, betritt sie die JVA Köln. Die Gefängnisdirektorin will mit ihr über die Prognose von Kehl sprechen. Selbst dessen Mutter ist dagegen, dass er auf freien Fuß kommt – die Anstaltsleiterin ist ebenso misstrauisch. Unterdessen wird der Häftling Sergej Rowitsch (Dimitri Bilov) mit einem Werkzeug in seiner Zelle erstochen. Ein anderer Häftling sieht kurz darauf Daniel Kehl wie er vor der Leiche steht.

Noch haben die Justizvollzugsbeamten den Mord nicht entdeckt. Daniel Kehl trifft wie geplant seine Bewährungshelferin zum Vorgespräch. Als die Leiche entdeckt wird, geht in der Anstalt der Alarm los. Kehl gelingt es, den Wärter zu überwältigen und Lüttgenjohann eine Schlinge um den Hals zu legen. Bewaffnet mit einem Messer droht er damit, den Kabelbinder zuzuziehen, wenn man ihn nicht sofort freilässt. Den Mord an Rowitsch will er nicht begangen haben, sieht sich selbst als Opfer, das mit der Geiselnahme bloß seine Unschuld beweisen will.

Das SEK postiert sich auf den Dächern des Gefängnisgeländes und die Kollegen von Lüttgenjohann treffen ein. Sie sollen in möglichst kurzer Zeit den Täter ermitteln, der für den Mord verantwortlich ist, um Kehl zum Aufgeben zu bewegen. Am Ort der Geiselnahme hat da längst ein Psychoduell zwischen der Kripo-Assistentin und dem verurteilten Vergewaltiger und Mörder begonnen.

Kommentare zu " Tatort „Franziska“: Beängstigend. Gut."

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  • dein problem war wohl eher, dass du den tatort nicht verstanden hast und deshalb aufgegeben und dich schlafen gelegt hast...

  • Erfahrungen mit der Polizei: Nicht "Mal" sondern vielmehr "Permanent provoziert sie" -> In Afghanistan hätte man bei so viel Geschlechter-diskriminieruzng längst eine Bombe draufgeworfen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_%28Film%29
    http://ais.badische-zeitung.de/piece/01/e7/64/e7/31941863.jpg

    Teeren und Federn!

  • Wie sieht es mit Abschürfungen durch Fesselungen mit Kablebindern aus, gibt es da Fotos?

    http://31.media.tumblr.com/1d0947d988a97f51566d7eff9f651511/tumblr_mpzb7irQFb1ss3tmuo8_r1_1280.jpg

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