Tefaf
Die Primadonna unter den Messen

Auf der Tefaf in Maastricht treffen sich Geld, Geschmack und Kultur. Kunstwerke aller Epochen sind hier rar und gelegentlich auch millionenschwer. Was hier zum Verkauf angeboten wird, ist Geschichte zum Anfassen.
  • 0

New YorkAb heute öffnen sich wieder die legendären Jagdgründe der Tefaf-Messe, die in der Langversion „The European Fine Art Fair“ heißt. Zehn Tage lang kann da zwischen Ungewöhnlichem und Meisterwerken gewählt werden. Das über 35 Jahre verfeiernerte Konzept wurde zum Vorbild für Messemacher in der ganzen Welt. Aber niemand kann es mit Qualität und Vielfalt des in Maastricht Gebotenen aufnehmen. 260 führende Kunst- und Antiquitätenhändler zeigen in diesem Jahr wieder rund 30 000 Werke. Und sie sehen sich weltweit wachsendem Interesse gegenüber: Im vergangenen Jahr reisten Sammler und Museen aus 17 Ländern an.

Auf neue Käufer setzt auch die Gemäldehandlung Dickinson (London, New York) mit Pierre-Auguste Renoirs frühem Bild der blumenpflückenden Camille Doncieux, die mit Claude Monet verheiratet war. Beide Maler waren um 1874 sehr eng befreundet. Hier ist Museumsqualität zu erwerben: Das Bild hing seit 1955 im Sterling and Francine Clark Art Institute in Williamstown (MA), das eine der größten Renoir-Sammlungen in den USA besitzt. Mit einem Preis von 15 Millionen Dollar zählt es zu den Spitzennotierungen dieser unangefochtenen Spitzenmesse.

Stammeskunst und Antiken, Schmuck und Kunstgewerbe locken Sammler an

Auch Richard Feigen (New York) hat neue Märkte im Sinn. Er zeigt den weniger bekannten französischen Maler Ary Scheffer – ein Zeitgenosse von Delacroix, der einen ganz eigenen Stil entwickelte. „Napoleons Armee auf dem Rückzug aus Russland, 1812“ (1826) führt die vernichtende Niederlage in dramatischem Hell-Dunkel vor Augen (375.000 Dollar).

Die zunächst nur auf Gemälde spezialisierte Messe ist mittlerweile auf acht Abteilungen gewachsen. Da gibt es Kultgegenstände von den pazifischen Inseln wie bei Anthony Meyer (Paris) und zeitgenössische Blue-Chip-Kunst. Unter den zehn Antikenhändlern überrascht Rupert Wace (London) mit einem äußerst seltenen griechischen Fruchtbarkeitsidol aus dem späten Neolithikum (5300 - 4500 v. Chr.). Das fast zwölf Zentimeter hohe Marmorfigürchen wurde kürzlich in einer französischen Sammlung wiederentdeckt. Es kostet über eine Millionen Euro. Aber das Rückgrat der Messe sind immer noch die 61 Bilderhändler. Angeblich sind hier 70 Prozent der weltweit zum Verkauf stehenden Alten Meister in Topqualität versammelt.

Otto Naumann (New York) bietet die seltene Gelegenheit, einen Rembrandt zu erwerben. Er hatte das „Porträt eines Mannes mit den Händen in den Hüften“ (1658) vor zwei Jahren auf einer Londoner Auktion an den amerikanischen Kasinounternehmer Steve Wynn verloren. Damals wurde das stark übermalte und nachgedunkelte Bild aus der Sammlung Piaseck Johnson zu 22,2 Millionen Pfund (33,2 Millionen Dollar) zugeschlagen. Nun steht es fein restauriert für 47 Millionen Dollar wieder zum Verkauf.

Das oft kopierte Porträt eines alten Mannes (um 1629; 5,4 Millionen Dollar) bei Bob Haboldt aus Paris ist eines der besten Werke von Jan Lievens, dem engen Freund und Rivalen Rembrandts. Bis zum vergangenen Sommer hing es im Büro des niederländischen Software-Pioniers Jan Baan, Gründer und CEO von Cordys.

Seite 1:

Die Primadonna unter den Messen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Tefaf: Die Primadonna unter den Messen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%