Tefaf Raubkunst: Mehr Transparenz erwünscht

Tefaf Raubkunst
Mehr Transparenz erwünscht

Auch die Tefaf setzt sich mit dem Problem Raubkunst auseinander. Prüfabfragen sind Standard. Händler sind allerdings nicht verpflichtet, Provenienzangaben vollständig zu bennenen.
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BerlinDie alten Römer wussten: Nicht nur Bücher, sondern auch Bilder haben ihre Geschichte. Die Diskussionen um die Causa Gurlitt haben das Problem um Raubkunst in Privatbesitz wieder verstärkt in die Aufmerksamkeit gerückt. Die großen Auktionshäuser gehen bereits seit längerem mit dem Thema offensiv um und betreiben selbst häufig Provenienzrecherchen, um einen möglichen Raubkunstverdacht aufzuklären. Einem Flaneur auf der Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse "Tefaf", der mehrere Tage Zeit hatte, fiel auf, dass die Händler mitunter sehr unterschiedlich mit Provenienzangaben zu den bei ihnen ausgestellten Kunstwerken umgingen.

Verschiedentlich finden sich auf der Tefaf auch Kunstwerke mit einer Herkunft, deren Jahreszahlen oder ursprüngliche Eigentümer möglicherweise auf einen Raubkunstverdacht hinweisen könnten. Auffallend ist, dass nicht alle Händler auch die Provenienzangaben über die früheren Sammlungen machen, die bei einer ersten Recherche zu einem Kunstwerk zu finden sind, etwa bei der Auktionspreisdatenbank Artnet, den einschlägigen Katalogen der großen Auktionshäuser oder Sophie Lillies „Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“ (2003).

Beschlagnahme nach „Anschluss“

So nennt etwa der offizielle Tefaf-Katalog als Provenienz zu Hans Makarts (1840-1884) großformatigem Gemälde „Der Tod der Kleopatra“ bis 1938 die Münchner Galerie Almas-Dietrich, die für ihre zahlreichen Kunstverkäufe an Hitler bekannt war, danach das Linzer „Führermuseum“ und die Oberfinanzdirektion München jeweils mit Inventarnummern und erwähnt in der Folge nur einen Verkauf 1973 und eine deutsche Privatsammlung. Fragen nach der genaueren Herkunft und einem möglichen Raubkunstverdacht beantwortet die anbietende Galerie French & Company aus New York mit Hinweis auf einen – erstaunlicherweise in der Provenienz nicht erwähnten – Verkauf beim Wiener Dorotheum im Jahr 2013.

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