Tefaf Teil 1
Renommierstücke und Edelkitsch

Zur Eröffnung der Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf liegt Spannung in der Luft. Raritäten für zweistellige Millionensummen warten auf ihre zukünftigen Besitzer. Ob auch die chinesischen Sammler kommen, ist die Frage. Die Tefaf hat ordentlich Konkurrenz bekommen im fernen Osten.
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MaastrichtFür die Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf kommt es dieses Jahr ganz dicke, gemessen an ihren eigenen Verhältnissen. Erst muss sie ihre eigenen Pläne für eine Messe auf dem chinesischen Festland mangels Händlerzuspruch vorerst auf Eis legen, nur um miterleben zu müssen, wie kurz darauf der in Hongkong beheimatete Konkurrent Fine Art Asia einen Ableger in Peking für den Herbst ankündigt. Die lange und zumeist vergeblich umworbenen chinesischen Sammler dürften damit in weite Ferne gerückt sein. Zu allem Überfluss glaubt dann noch die Art Basel Hongkong im März einen passenden Termin gefunden zu haben. Die beiden Messen konkurrieren im Bereich Post War und Modern Contemporary vielleicht weniger um Sammler als vielmehr um Aussteller.

Dass die Tefaf aber einstweilen immer noch die Königin der Messen ist, stellt sie gleich am Eingang wieder eindrucksvoll unter Beweis. Es gibt zurzeit wohl kaum einen Ort auf der Welt außer Maastricht, an dem Dickinson Roundell aus London/New York eine Kostbarkeit wie Vincent van Goghs Gemälde „Le Moulin de la Galette“ der Öffentlichkeit präsentieren würde. Beim Preis ist James Roundell branchenüblich diskret: „Eine achtstellige Summe“ koste das Werk, erklärt er vor einer Gruppe chinesischer Journalisten und fügt auf Nachfrage hinzu „in jeder Währung“. Das bedeutet auf alle Fälle über zehn Millionen Pfund.

Schwefliges Leuchten

Die immer noch kleine Design-Abteilung kann von solchen Dimensionen nur träumen, obwohl hier genauso Rares angeboten wird. Ulrich Fiedler aus Berlin hat ein aus Kaffeekanne und Milchkännchen bestehendes Bauhaus-Service von Hans Pschyrembel aufgetan, das bisher nur von einem Foto bekannt war (250.000 Euro). Tatsächlich ist das auch die Provenienz: Der vom Bauhaus beauftragte Fotograf hat die Stücke gleich gekauft.

Der New Yorker Keramikspezialist Jason Jacques wartet gleichfalls mit einer echten Trouvaille auf. William Purcell McDonald und John Dee Wareham von der Rookwood Pottery in Cincinnati experimentierten 1901 mit Gipsreliefs, auf die sie Pastellstaub aufbliesen. Von den zwei bekannten Exemplaren konnte der Händler vor rund Jahren eines aus Shaw Collection in Detroit erwerben. Das Sujet dürfte nicht jedermanns Sache sein: die unheimlichen Schwestern aus Shakespears Macbeth haben sich in albtraumhafter Landschaft um einen Kessel versammelt, aus dem es ungesund schweflig zu leuchten scheint. Angesichts seiner Außergewöhnlichkeit wartet das Objekt mit nicht übertrieben wirkenden 550.000 Dollar auf einen Sammler mit dem ganz besonderen Geschmack.

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