Tefaf
Vom Auktionssaal auf den Messestand

Früher war es verpönt, Auktionstrophäen sofort auf einer Messe anzubieten. Heute ist es gängige Praxis. Ein Blick auf einige Tefaf-Exponate enthüllt taufrische Auktionseinkäufe und Aufschläge von über hundert Prozent.
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MaastrichtNeben Erwerbungen aus Privatsammlungen gehören Ankäufe bei Auktionen selbst beim etablierten Kunsthandel nach wie vor zum Alltag. Doch die Zeitspanne zwischen Auktionserwerb und Messepräsentation ist kurz geworden. Das verdeutlicht  eine genauere Betrachtung der gerade zu Ende gegangenen Tefaf in Maastricht, der bedeutendsten Kunst – und Antiquitätenmesse der Welt. Die Marktbiografie ersteigerter Ware ist heute über Kunstpreisdatenbanken leicht rekonstruierbar und entlarvt teils üppige Aufschläge von bis zu hundert Prozent und mehr. Nicht immer steckt hinter den stattlichen Differenzen zwischen Ein- und Verkaufspreis ein weiterer Besitzerwechsel hinter den Kulissen. Und nur selten verbergen sich hinter den angepeilten Gewinnmarchen hohe Kosten für Restaurierung oder ergänzende Expertisen. Meist verstehen sich die verlautbarten Kaufpreise tatsächlich eher als Verhandlungsbasis, insbesondere im Umfeld von Kunstmessen.

Geschätzte Akquiseplattform
Im diesjährigen Tefaf-Angebot fanden sich jedenfalls mehr als eine Handvoll  Kunstwerke und Sammelobjekte, die sich Aussteller in den letzten Monaten aus dem Auktionsangebot fischten. Mit der Idee einer Partnerschaft mit Sotheby´s für die zwischenzeitlich zu Grabe getragenen Pläne für einen Tefaf-Ableger in Peking mochten sich nicht alle Maastricht-Veteranen anfreunden. Das berichtete Tefaf-Chairman Konrad Bernheimer jüngst im Handelsblatt-Interview. Als Akquisitionsplattform schätzte man die Auktionsbranche dagegen weiterhin. Hauptsächlich bei Gemälden und hier überproportional in der Sektion Alter Meister.

Auktionstrophäen von Format
Die ersten Auktionsabsolventen begrüßten einen bereits am Place de la Concorde, wie das zentrale Forum der etwa 31.000 Quadratmeter großen Messehalle genannt wird. Kees van Dongens 1908 geschaffener Nackedei „Lailla“ am Stand von Dickinson aus London, der im Juni 2012 bei Sotheby’s bis zu 4,56 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) reizte, buhlte nun für 6,7 Millionen Euro um neue Verehrer. Bei Sir Henry Raeburns Porträt des jungen Sir Euan Murray-Macgregor gingen Interessenten dagegen bereits mit 1,29 Millionen Euro in die Verhandlung.

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