Terry von Bibra
Auslöser für Entwicklungen

Terry von Bibra, Deutschland-Chef von Yahoo, war in seinem ersten Leben Werbefotograf. Diese Leidenschaft prägt auch heute noch seine Arbeit. Er sagt selbst: Hat man einmal den Blick des Fotografen auf die Welt, "verliert man ihn nicht mehr".

Zehn Jahre ist es her, dass er den silbernen Koffer zuletzt öffnete. Zehn Jahre, in denen andere Dinge als das ehemals ausgeguckte Berufsziel im Vordergrund standen. Zehn Jahre, in denen Terry von Bibra Karriere machte; zuerst als European Head of Business Development bei Amazon, 2005 als Geschäftsführer bei Yahoo Deutschland und kurze Zeit später als Vice President Central Europe.

In den vergangenen zehn Jahren sollte also eigentlich genug passiert sein, um ausreichend Distanz zwischen ihn und diesen massiven, silbernen Koffer zu bringen, den er an diesem Morgen vom Dachboden seines Hauses holte. Und den er zusammen mit dem schwarzen Dokumentenkoffer, dem Objektiv und dem Rest seiner Ausrüstung, auf der noch "Terry von Bibra Photography" steht, in das Fotostudio im Münchener Glockenbachviertel brachte.

Terry von Bibra bemüht sich, sentimentale Anwandlungen zu verbergen. "Schönes Studio", sagt der 44-Jährige nur, nachdem er das ganze Gepäck auf die Galerie hochgewuchtet hat. Aber er nimmt die Atmosphäre auf, atmet die typische Luft eines Fotoateliers. Es ist ihm anzumerken: Ein Fotograf hört nie auf, Fotograf zu sein, selbst wenn er sein gesamtes Equipment verbannt hat und es verschlossen hält. Denn noch bevor er sich hinsetzt und erzählt, wie er Fotograf wurde und warum er schließlich seine Leidenschaft gegen einen Managerposten eintauschte, geht er zu jenem silbernen Koffer, öffnet ihn und holt dessen kostbaren Inhalt heraus: eine original Hasselblad-Großformatkamera, "technisch im Grunde nur ein Gehäuse mit einem Spiegel drin", sagt Terry von Bibra.

Aber es war dieses Gehäuse, das so viel Leidenschaft in dem gebürtigen Amerikaner erweckte, dass er als 16-Jähriger in den Sommerferien auf die Ölfelder Kaliforniens hinausging und dort in der sengenden Hitze der Wüste wochenlang an den Pumpen arbeitete, um die 1 000 Dollar zu verdienen, die er für diese Hasselblad brauchte. Schon als jugendlicher Hobbyfotograf muss von Bibra perfektionistisch veranlagt gewesen sein, wollte er damals bereits die beste Kamera, die beste Ausrüstung haben, um möglichst nah an das perfekte Bild zu kommen.

Hat man einmal den Blick des Fotografen auf die Welt, " verliert man ihn nicht mehr", sagt von Bibra mit leisem Bedauern. Der Fotograf ist darauf trainiert, die Welt in Bildern wahrzunehmen, sieht sie als Anordnung grafischer Flächen, von Lichtverhältnissen und Fluchtpunkten. Aber seit den erwähnten zehn Jahren ist aus dem ehemals erkorenen Beruf ein Hobby geworden, eine Leidenschaft immer noch, aber eine, die selten auflodern darf. Seit er den Beruf des Werbefotografen aufgegeben hat, um Manager zu werden, hält er mehr die private Welt in Bildern fest.

Zwar knipst von Bibra, der in Deutschland nicht nur das Online-Portal Yahoo verantwortet, sondern auch das Shopping-Portal Kelkoo und die Online-Foto-Community Flickr, auch für diese Communities ab und zu Bilder. Diese stellt er unter einem geheimen Account ins Netz, aber "das sind nur Schnappschüsse von meinen Kindern", wiegelt er ab. Terry von Bibra ist mit einer Innenarchitektin verheiratet und Vater dreier Kinder. Er radelt meist mit dem Mountainbike in Fahrradkuriermontur an der Isar entlang ins Büro an der Theresienhöhe. Ihm fehlt schlicht die Zeit, heute noch auf dem gleichen Niveau fotografieren zu können wie damals.

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