Theater und Oper 2.0
Die Bühne auf dem Bildschirm

Mehr und mehr Theater- und Opernhäuser zeigen Aufführungen nicht mehr nur auf der Bühne, sondern auch im Netz. Ersetzen Smartphones und Computer bald den Zuschauersaal?
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UlmEine Hochkultur öffnet sich der digitalen Welt: Immer mehr Theaterhäuser bieten ihre Aufführungen nicht mehr nur live auf der Bühne an, sondern auch online. Theater im Netz sei eine große Chance, „um mit einem Publikum in Kontakt zu treten, das nicht zu den typischen Theaterbesuchern gehört, und um neue Kommunikationswege zu finden“, meint der Deutsche Bühnenverein.

Der Verband befasste sich erst am Wochenende auf seiner Jahreshauptversammlung mit dem Thema. Die rund 250 Intendanten und Direktoren diskutierten auf ihrer Tagung in Potsdam auch über eine stärkere Präsenz im Netz.

Vor kurzem kündigten 15 Opernhäuser aus ganz Europa an, einige ihrer Produktionen über die „Opera Platform“ ins Netz stellen zu wollen. Zum Start zeigte das Teatro Real in Madrid live Giuseppe Verdis „La Traviata“.

Mit am Start ist auch der europäische Kulturkanal Arte, aus Deutschland beteiligen sich die Komische Oper Berlin und die Oper Stuttgart. Die Produktionen sind sechs Monate frei im Archiv abrufbar und werden in sechs Sprachen untertitelt. Dazu gibt es Hintergründe, Interviews und einen Blick hinter die Kulissen.

Theater-Streaming ist ebenfalls ein Lieblings-Thema des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner. Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne, plant sogar Extra-Streaming-Stücke, es soll eine neue „digitale Bühne“, genannt Terminal Plus, geben. Künstler sollen ihre dafür geschaffenen Produktionen in der Studiobühne der Volksbühne aufzeichnen und live senden. Die Bremer Schwankhalle bietet Audio-Streams an, aber auch Podcasts zum Nachhören.

Die Bayerische Staatsoper zeigt Aufführungen unter dem Label StaatsoperTV und erreicht nach eigenen Angaben pro Stream zwischen 40.000 und 100.000 User. Da die Staatsoper seit Jahren unverändert an einer Auslastung von 100 Prozent kratzt, verliert sie dadurch keine Zuschauer, sondern „generiert zusätzliches Publikum“, wie eine Sprecherin sagte.

Am ältesten städtischen Theater Deutschlands in Ulm werden schon seit 2012 Vorführungen von der Bühne abgefilmt und gestreamt. Auf 4000 Online-Zuschauer kommen sie erst pro Spielzeit. „Das ist jetzt noch nichts, wo man Angst haben muss, dass man sich das Haus leerstreamt“, sagte Verwaltungsdirektorin Angelika Weißhardt. Nicht nur Schwaben schalteten dabei zu. „Zwei Drittel sind überregional.“

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