Thomas Hanke
Deutschlands neue Kapitalisten

Thomas Straubhaar leitet das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI) und schreibt über das neue Buch von Thomas Hanke. Dieses ist ein Plädoyer für einen neuen deutschen Kapitalismus als eigenständigen dritten Weg zwischen dem liberalen marktwirtschaftlichen Kapitalismus angelsächsischen Typs und dem alten rheinischen Kapitalismus.

HB HAMBURG. Darf man in einer Zeitung ein Buch besprechen, wenn der Autor als Redakteur für diese Zeitung arbeitet? Man darf, wenn es das Buch einzig seiner Qualität wegen verdient, gelesen und diskutiert zu werden. Das ist bei "Der neue deutsche Kapitalismus" von Thomas Hanke zweifelsfrei der Fall. Sein gut strukturiertes, leicht lesbares und mit vielen Beispielen aus der Praxis gespicktes Buch will den Deutschen Mut machen. Es will ihnen die Augen öffnen. Sie sollen erkennen, dass Deutschland sich mit hohem Tempo bewegt, marktwirtschaftlicher wird und von einem neu entstehenden, wenn auch noch unfertigen, deutschen Kapitalismus profitiert.

Hankes Hauptthese lautet, dass sich Deutschland in den vergangenen 15 Jahren in mehr als erstaunlichem Maße geändert habe. Da hat er mehr als Recht. Die deutsche Wiedervereinigung: Wie viele hatten daran wirklich noch geglaubt? Heute ist sie nicht nur Tatsache, sondern für jüngere Generationen eine nicht hinterfragte Selbstverständlichkeit wie Freiheit und Frieden in Europa. Die D-Mark: einst vielleicht einziges nationales Symbol der alten Bundesrepublik. Heute ist sie genauso verschwunden wie die europaweit überragende Alleinstellung der Bundesbank.

Die Deutschland AG: Die enge Verzahnung von Privatbanken und Industrieunternehmen mit der Schlüsselrolle der Banken als Kreditgeber, Aufsichtsräte, Anteilseigner und Sachwalter von Kleinaktionären hat sich weitgehend aufgelöst, ausgelöst durch die von Hans Eichel und der rot-grünen Koalition durchgesetzte Steuerreform, die Veräußerungsgewinne steuerfrei stellte. Die stille Revolution in den Betrieben, die schwindende Macht der Verbände, die neuen Spielregeln der Geld- und Finanzpolitik und vor allem das Zurückweichen des Staates und das Vorrücken des Marktes: das alles sind deutliche Zeichen für eine Republik im Wandel.

Hankes Buch ist ein Plädoyer für einen neuen deutschen Kapitalismus als eigenständigen dritten Weg zwischen dem liberalen marktwirtschaftlichen Kapitalismus angelsächsischen Typs und dem alten rheinischen Kapitalismus. Er soll die wesentlichen Kennzeichen des alten deutschen Modells - Interessenausgleich, Konsens und kooperative Arbeitsbeziehungen - mit mehr Spielräumen für Märkte und größeren Wahlmöglichkeiten für die Menschen verbinden.

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