Thriller-Autor Don Winslow
„Legalisiert alle Drogen“

Deutschland diskutiert über die Freigabe von Marihuana, Don Winslow geht noch einen Schritt weiter. Der aktuell wohl beste Krimi-Autor hat jetzt seinen neuen Roman veröffentlicht und liefert stichhaltige Argumente.
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DüsseldorfDon Winslow ist zurück – und zwar so, wie die meisten seiner Leser ihn am liebsten haben. Nach eine paar „Zwischenkrimis“ hat er jetzt den zweiten Teil seines Epos über den mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg auf den Markt gebracht. „Das Kartell“ heißt der 1000-Seiten-Wälzer, der keine Sekunde langweilig wird und nichts für sanfte Gemüter ist. Es ist die Fortführung des wohl größten Erfolges Winslows, nämlich „Tage der Toten“ aus dem Jahr 2005. Hier schafft es der Held, Art Keller, einen berühmten Drogenbaron hinter Gitter zu bringen.

Doch damit ist die Geschichte bei weitem noch nicht zu Ende. Den Leser erwartet eine furiose Story, dessen Handlung trotz der extrem komplexen Gesamtlage verständlich ist. Und das Beste: Winslow gelang einer echter Doku-Thriller. Das meiste ist schlicht und einfach wahr. So real wie das Leben, nur dass man es beim Lesen kaum glauben kann.

„Mit Neugier und Wut“, habe er das Buch geschrieben, sagte Winslow der Süddeutschen Zeitung. Im Prinzip habe er Hunderte Seiten Fakten zusammengetragen und die Fäden am Ende nur zu einer Geschichte zusammengeschrieben. Entsprechend realistisch-brutal geht es zu, auch wenn Winslow auf Anraten des Lektors 30 Prozent aller Mordbeschreibungen rausgestrichen hat. Dem Autor war wichtig, dass der Leser von den „Kolonnen von Toten“ gelangweilt werde.

Doch der Lektor habe Recht wenn er sagt, dass der Leser das Wesentliche auch so begreife. Zwar gibt es keine Extrem-Szene wie die in „Tage der Toten“, als Babys von einer Brücke geworfen wurden. Aber in Summe ist "Das Kartell" noch viel brutaler als der erste Teil. Das und die Nähe der Figuren zu real existierenden Personen macht das Buch deutlich realistischer als zum Beispiel Frederick Forsyths vergleichbaren Thriller „Cobra“.

Wem die vielen Seiten zu lang sind, kann sich übrigens auf die Verfilmung freuen. Dass Winslows Stoffe Hollywood-tauglich sind, hat schon Star-Regisseur Oliver Stone mit der Verfilmung von Winslows Roman „Savages - Zeit des Zorns“ bewiesen. Auch die Filmrechte für „Tage der Toten“ und „Das Kartell“ sind verkauft. Winslow will, „dass die Leute auch im Kino mitbekommen, wie brutal die Wirklichkeit ist“.

Und Winslow möchte, dass die Scheinheiligkeit endet. Dass sich das Bild in den USA korrigiert vom vermeintlichen „mexikanischen Drogenproblem“, wo der Krieg doch ein amerikanisch-eurpäischer sei: Mexiko habe „das Pech, eine Grenze mit dem weltweit größten Supermarkt für Kokain zu teilen“, sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Die jungen Leute in New York, Rom oder Paris kaufen nur fair gehandelten Kaffee, aber gleichzeitig rauchen sie Marihuana, ohne einen Gedanken an seine Herkunft zu verschwenden.“

Es wäre billiger gewesen, wenn die US-Behörden den Drogenhändlern an der Grenze den Stoff einfach abgekauft hätten, behauptet Winslow sarkastisch und hat wohl nicht einmal Unrecht. Argumente für seine These, dass es den Menschen besser ginge, wenn man Drogen einfach freigeben würde, finden sich in seinem Buch zuhauf. Bezeichnend ist Winslows Antwort auf die Frage, ob die Gewalt in Mexiko in jüngster Zeit tatsächlich etwas abgenommen habe: „Ich vermute, weil die mexikanische Regierung mit dem siegreichen Kartell einen Deal geschlossen hat.“ Doch auf diese Weise wird es nie zu Ende gehen.

Don Winslow
Das Kartell
Verlag Dromer Knaur , München 2015

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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