Tim Mälzer
Der Suppenkasper

Das Handy klingelt. "Tach auch!" nölt der junge Koch ins Telefon. Am anderen Ende ist die Mutter, die morgen zum Essen vorbeikommen will und sich nach der vorbereiteten Kartoffelsuppe mit Pancetta-Schinken und Maisbrot erkundigt. Doch den Filius plagt der Hunger: "Ich nehme schon etwas von der Suppe, ihr müsst die dann halt noch mit Wasser strecken."

Gelächter von der Küchencrew. Der große Meister ist mal wieder voll in seinem Element. Anders ist es die Belegschaft im Hamburger Restaurant "Das Weisse Haus" anscheinend von ihrem Chef Tim Mälzer nicht gewöhnt. Und die Fernsehnation auch nicht: In seiner Sendung "Schmeckt nicht, gibt?s nicht" bei Vox bringt dem 34-jährigen Vor-Kocher diese hemdsärmelige Masche Traumquoten ein.

Bis zu 1,8 Millionen mehr oder minder kochwütige Zuschauer erleben jedesmal mit, wie der norddeutsche Jungstar in Jeans und buntem T-Shirt binnen einer halben Stunde ein dreigängiges Menü fabriziert und gerne mal den Salat mit beiden Händen durchmischt: "Das Dressing ruhig mit den Fingern einmassieren."

Sein neuestes Kochbuch "Born to cook II" steht seit kurzem im Buchhandel. Ein weiteres Restaurant will er noch in diesem Jahr eröffnen.

Auf unnötigen Schnickschnack wird bewusst auf allen Kanälen verzichtet, auf denen sich Mälzer inzwischen zeigt. Ganz nach der Devise "Zeit ist Geld - deshalb die Brutalmethode" feuerte der gelernte Koch in der promiträchtigen Sat-1-Grillshow "Jetzt geht?s um die Wurst" den Rost mit einem Brennschneider an und kühlte das Dessert mit Flüssigstickstoff auf Minus-Temperatur - was gerade bei Köchen aller Couleur groß in Mode kommt. Wichtiger als die Kochkunst sind deftige Sprüche.

Während der Meister die Kartoffelsuppe löffelt - und zwar in erstaunlichem Tempo -, findet er noch Zeit zum Erzählen. Berichtet von mittelmäßigen Erfolgen als jugendlicher Fußballspieler: "Ich war nur im Team, weil mein Trainer - eigentlich ein Arschloch - auf meine Mutter scharf war." Und sagt, was er von überteuerten Kochkursen hält: "Was für ein Bullshit!" Sein Publikum - derzeit die kleine Küchencrew - grinst.

Die Leute auf betont lässige Art unterhalten, das kann Mälzer blendend. Stets ist er einen Tick zu laut, schnoddrig und immer zack, zack. Er bedient das Klischee des Proleten perfekt. Wenn er von seinen Autos redet, erwähnt er zuerst seinen fast 60 Jahre alten GMC-Pickup, vor dem er gerne mal posiert. Das Gefährt ist tiefer gelegt, die Kotflügel zieren rechts und links weit aufgerissene, große Haifischmäuler. Parallelen zum Halter sind wohl beabsichtigt. Im Alltag fährt der Medienstar einen unauffälligen Nissan Diesel.

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