Tipps für Manager
Richard Branson entlarvt sich selbst

Richard Branson ist Selfmade-Milliardär und schreibt gern. In seinem neuen Buch gibt er Führungskräften Ratschläge. Dabei spielt eines für den Gründer des Virgin-Imperiums keine Rolle: Glaubwürdigkeit.
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DüsseldorfDrei Fluglinien, Musik-Labels, Energie, Mobilfunk, Bücher, Blumen, Banken, Kosmetik. Und die Eroberung des Weltraums darf natürlich auch nicht fehlen: Richard Branson hat mit der Virgin Group aus dem Nichts in 45 Jahren quasi die Mutter aller Mischkonzerne geschmiedet. Wie man all das als möglichst perfekter Chef hinbekommt, hat Branson in seinem neuen Buch „The Virgin Way: Wie ich das Thema Führung sehe“ aufgeschrieben. Doch was er auf den gut 350 Seiten zu sagen hat, ist auch entlarvend.

Branson ist nicht bescheiden, aber auch kein plumper Angeber. Der 1999 zum Ritter geschlagene Brite protzt nicht mehr als ihm zusteht. Er erklärt stattdessen, wie man eine Firma idealerweise führen sollte: zuhören, mutig sein, kreative Umfelder schaffen, vom Mittelmaß wegkommen, Kunden glücklich machen und so weiter. Natürlich nennt er Positiv-Beispiele aus der Virgin-Welt und findet negative nur bei anderen Firmen – aber womit will man sonst rechnen?!

Dabei geht Branson durchaus ins Detail und räumt mit Klischees auf. So erklärt er den Unterschied zwischen effektivem Delegieren und dessen „Cousin“, dem Relegieren – also der Neigung, Probleme aufzuschieben und von sich zu weisen. Und auch das Thema Mitarbeiterführung kommt nicht zu kurz, wobei nützliche Krisenstrategien nicht erwartet werden dürfen. Bei Virgin ist meistens gutes Wetter.

Doch immer überrascht Branson mit Sätzen wie: „Das Erste, was man erkennen muss, ist, dass man niemanden beibringen kann, leidenschaftlich zu sein – entweder man hat es in den Genen oder nicht.“ Wer sich den Briten als Vortänzer und Guru vorstellt, der seine Mitarbeiter einschwört, den mögen diese Worte befremden. Umso wichtiger sei eine zeitintensive Personalsuche mit weitem Horizont: Bloß nicht zu sehr auf Zeugnisse und Uni-Abschlüsse achten. Dieser Rat ist nur logisch, hat Branson doch selbst schon mit 16 die Schule geschmissen, um sich mit einem Magazin selbstständig zu machen.

Doch eines spielt in Richard Bransons Sicht der Dinge offenbar keine Rolle: Glaubwürdigkeit. Mit keinem Wort kommt das Wort in seinem Buch vor. Kein bisschen hält es der Milliardär für eine wesentliche Eigenschaft von Führungskräften.

Warum, dass wird beim zweiten Blick auf seine Firma und seine Geschichte deutlich. Nehmen wir als Basis ein Zitat, das Branson in seinem Buch und in abgewandelter Form auch immer wieder in der Öffentlichkeit bringt: „Ich habe das Geschäft immer als den Versuch einer Gruppe von Menschen betrachtet, das Leben anderer zu verbessern.“

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Was man Branson vorwerfen muss

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