Tomi Ungerer wird 80
„Wir werden alt, wenn wir aufhören zu denken“

Seine legendären Zeichnungen sprühen vor Witz und erotischer Provokation, sein Markenzeichen ist der scharf gespitzte Bleistift. Heute wird der unermüdliche Künstler Tomi Ungerer 80 Jahre alt.
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StraßburgZur Pressekonferenz erscheint Tomi Ungerer zwar auf seinen Stock gestützt, doch wirkt er munter und schlagfertig wie immer. „Wir werden alt, wenn wir aufhören zu arbeiten und zu denken“, sagte er kürzlich. Am 28. November wird der Künstler 80 Jahre alt.

Der Uhrmacher-Sohn, der als Jean-Thomas 1931 in Straßburg geboren wurde, hat mehr als 150 Bücher geschrieben und illustriert und etwa 40.000 Zeichnungen, über 300 Plakate, Dutzende Ölbilder, Lithographien und Skulpturen geschaffen. Die erotische Provokation ist sein Markenzeichen - immer verbunden mit Ironie oder scharfem Witz.

Mit Begeisterung zeichnete Ungerer beispielsweise kaum bekleidete elsässische Trachtenmädchen, die sich intim mit Knackwürsten beschäftigen. „Ungerer schafft es, auch dem trübsinnigsten Betrachter ein Lächeln zu entlocken“, schrieb ein Kritiker. Bei den konservativen Elsässern sind die lockeren Werke des Meisters lange Jahre nicht besonders gut angekommen - ein bekannter Straßburger Restaurant-Besitzer, dem Ungerer seine „erotischen Frösche“ vermachte, verbannte die gewagten Zeichnungen hinter Wandteppiche - zur Ansicht nur für ausgewählte Gäste.

In Deutschland waren Ungerers Werke lange Zeit populärer als in Frankreich, doch auch auf deutscher Seite wurden manche seiner erotischen Zeichnungen als zu provozierend empfunden. „Hoffnungslos humorlos“ war sein Kommentar, als eine deutsche Frauengruppe sich 1987 über sein Plakat für ein grenzüberschreitendes Rheinfest beklagte. Auf dem Poster war eine mit zwei Fischen bekleidete Badenixe zu sehen.

Die Kritik, er sei pornografisch und sexistisch, hat er stets entschieden zurückgewiesen. „Ich bin ein Aufzeichner. Meine erotischen Zeichnungen sind reine Satire. Ich will entlarven, was für eine Hölle es sein kann, wenn sich die Menschen vom Sex abhängig machen“, sagt der Künstler.

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„Sechzig Dollar und ein Koffer voller Zeichnungen“

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  • Sehr geehrter Herr Ungerer,

    nicht nur mir allein sprechen Sie mit diesen Worten aus voller Seele. Mit Grausen können müssen wir in die Zukunft sehen – das wird finster. Die Not der Menschen wird sich sicher vergrößern, der Kampf um Ressourcen (Wasser, Nahrung, Land, Öl, Energie) wird sicherlich seine grauenhaften Folgen mit sich bringen.

    Auch in Bezug auf Amerika – welcher Politiker oder Prominente würde es wagen, hier amerikakritisch klar Stellung zu beziehen und auch diese unglaublich gottlose Doppelmoral zu benennen?

    All das ist aber so gewollt von der herrschenden Elite, die sich dann auf Kosten der breiten Bevölkerungsmassen aller Nationen ein exquisites Dasein verschafft. In der Neuen-Welt-Ordnung ist das so vorgesehen und auch, dass die Menschen in körperliches Elend und in geistige Finsternis abdriften, damit sie besser gesteuert werden können. Deshalb sieht es so aus auf der Welt, deren menschenverachtendes System - wie die Bibel klar sagt - in den letzten Tagen befindet. Das wird aber nicht immer so bleiben, denn der Mensch denkt und Gott lenkt.

    Die Bibel gibt hierüber Aufschluss unter

    Sprüche 2: 21-22
    21 Denn die Rechtschaffenen sind es, die auf der Erde weilen werden, und die Untadeligen sind es, die darauf übrigbleiben werden. 22 Was die Bösen betrifft, von der Erde werden sie weggetilgt; und die Treulosen, sie werden davon weggerissen.

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