Tourauftakt in Frankfurt

Springsteen feiert Anti-Wall-Street-Party

Auf seinem neuesten Album singt Bruce Springsteen über die Wirtschaftskrise, und will deren Opfer ein Ventil geben. Jetzt auch live in Deutschland: In Frankfurt hat er den Auftakt seiner Deutschland-Tour gefeiert.
8 Kommentare
Wut auf die Wall Street prägen die Songs des neuen Springsteen-Albums „Wrecking Ball“. Quelle: Reuters

Wut auf die Wall Street prägen die Songs des neuen Springsteen-Albums „Wrecking Ball“.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/MainNach drei Stunden und vier Minuten sinkt Bruce Springsteen völlig erschöpft rücklings auf die Bühne und winkt ab. Er bekommt einen Schwamm mit kaltem Wasser über dem Gesicht ausgewrungen. Dann geht es weiter.

Aber der Reihe nach: Es ist noch nicht ein Takt gespielt bei seiner ersten Station der Deutschland-Tour, da ertönen von den 41.000 Fans in der ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena schon lang gezogene „Bruuuuce“-Rufe.

Die Fans wissen was sie an ihrem Idol haben. Wer zu Springsteen geht, erlebt kein Konzert von der Stange. Während der seit Mitte März laufenden Tour „Wrecking Ball“ hat der US-Amerikaner bereits rund 80 verschiedene Songs gespielt. Je nach Lust und Laune.

Nach drei Stunden und zwanzig Minuten ging er: Bruce Springsteen. Quelle: AFP

Nach drei Stunden und zwanzig Minuten ging er: Bruce Springsteen.

(Foto: AFP)

Aktuell ist „the Boss“ wütend. Wütend auf Finanzjongleure, Hedgefonds und Machtmenschen, mit denen er auf seinem 17. Album, „Wrecking Ball“ (Abrissbirne), abrechnet.

„Ich bin ein 62-jähriger Familienvater aus New Jersey, der es nicht fassen kann, wieviel in meinem Land falsch läuft“, hatte Springsteen unlängst in einem Interview gesagt. Passend zu seiner Gemütslage erscheinen Springsteen und seine 15-köpfige E-Street-Band in schwarz. Auch die Bühne ist ganz schwarz und verzichtet auf jeglichen Schnickschack.

Im ersten Drittel des Konzert unter wolkenlosem Himmel macht Springsteen seinem Ärger am meisten Luft und spielt viele Songs vom aktuellen Album. Das Stück „Death To My Hometown“ ist dabei eine Art Antwort auf „My Hometown“ von 1982, als Springsteen auf sein Heimatland noch besser zu sprechen war. „Viele Leute in den USA verlieren ihr zu Hause. Dies ist ein Lied für alle, die kämpfen“, kündigt Springsteen das Lied „Jack of All Trades“ an, in dem neben seinem Trauergesang auch Bläser, Geige, Ukulele und Pauke zu hören sind.

Schriftliche Zugabewünsche
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

8 Kommentare zu "Tourauftakt in Frankfurt: Springsteen feiert Anti-Wall-Street-Party"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @roadrunner
    für mich war es ein unvergessliches Konzert.
    Die Frage von dem Stadion nahe gelegenen Parkplätzen kann man ohne große Schwierigkeiten durch Googeln durchaus klären...

  • Dass die Parkplätze sehr schlecht zu finden waren und es wohl mehr dem Selbstlauf überlassen war muss ich leider bestätigen und ist die einzige Kritik, den die Veranstaltung verdient. Die Ausschilderung, die nach dem Kommentar von Klaus bestens sein soll war von der A3 her sehr mangelhaft und uneindeutig. Aber dass es, wenn viele Menschen an einem Ort und zur gleichen Zeit sind nicht ganz ohne Probleme abgeht ist ja wohl auch klar. Der beste Tipp ist da wohl das rechtzeitige Erscheinen. Und die in die Grünanlagen urinierenden Menschen (überwiegend männlich) sind absolut nicht die Schuld des Veranstalters.
    Der Roadrunner

  • @ Joachim

    Das Stadion ist von allen Seiten her bestens ausgeschildert. Wer An- und Abreise konfortabler gestalten möchte, kann sich ja vorher mal schlau machen, z.B. im Internet. Ansonsten läuft es eben so wie andernorts auch: man strömt mit der Masse, mehrere Zehntausend Leute können sich schliesslich nicht in Luft auflösen, und die eine oder andere Blase hält dem Druck dann auch nicht mehr stand, was man bei der aktuellen Witterung auch schnell merkt. Frankfurts Bürger entleeren sich jedenfalls nur selten auf der Straße.

    Mein Kompliment für einen ganz armseligen Beitrag.

  • Dem Artikel ist fast nichts hinzuzufügen. Ein wirklich einmaliger Abend. Keine übertriebene Show sondern ehrliche Arbeit von allen auf der Bühne und ein Mann mit 62 der auftritt, als ob Alter keine Rolle spielt. Wie sich Bruce Springsteen im Verlauf des Abends hinein gesteigert hat wird von keinem Musikstar erreicht. 3:30h nahezu ohne Pause in dieser Intensität ist eine phänomenale körperliche Leistung und zeugt davon, dass es beim Boss nicht um das Abarbeiten des Konzertes geht sondern er seine Musik mit Herzblut spielt. Aber das war ja bei ihm schon immer so. Danke für dieses grossartige Konzert.
    Der Roadrunner

  • Ein super super super klasse Konzert, welches leider nach 3,5 Stunden beende war. The Boss und die E-Street Band, den ich bereits mehrfach live gesehen und seit ca. 35 Jahren "begleite", hat wieder alles gegeben.
    Negativ: Als Nicht-Frankfurter war es schwer die Arena zu finden. Durch das Parkleitsystem war der Abstellort unseres Autos ca. 5 km entfernt. Überfüllte Straßenbahnen ließen uns diese Strecke durch eine Stadt zurücklaufen, durch Straßen die nach Urin stinken, mangelhafte Beleuchtung, ohne Ordnungskräfte, die hier für Sicherheit gesorgt hätten. Also für eine Großstadt, mehr als traurig.

  • @Udo Reuter man muß den Artikel schon richtig lesen und verstehen können. "Nach drei Stunden und vier Minuten sinkt Bruce Springsteen völlig erschöpft rücklings auf die Bühne und winkt ab. Er bekommt einen Schwamm mit kaltem Wasser über dem Gesicht ausgewrungen. Dann geht es weiter." So war es und dann ging es tatsächlich weiter, bis fast 23:30. Der Artikel ist gut geschrieben. Im Gegensatz zu dem, was man in anderen Onlinezeitungen ließt. Der Artikel in "Welt-Online" ist dilettantisch geschrieben. Der ist einfach nur schlecht.
    Hier wurde alles gesagt und es entsprach auch der Realität. Das Sahnehäubchen hat natürlich noch Sabine Wagner dem Ganzen aufgesetzt. Ein toller Kommentar.
    Und der Boss wäre nicht der Boss, wenn er sich sagen lassen würde, wie lange er seine Konzerte spielen müsste. Und schon gar nicht von der angestaubten Stadt Frankfurt. Die Fans haben viel Geld dafür gezahlt und es ist sein recht, es den Fans zurück zu zahlen. In Form einer einmaligen tollen Rocknacht. Danke Bruce!

    Volker Hiege


  • Ich frage mich, ob der Erstartikelverfasser besoffen oder sonst was war, das Konzert hat volle 3,5 Std. gedauert und nicht 3 Std. und 4 Minuten wie geschrieben. Die Person ist keineswegs seiner Aufgabe - für die er auch noch bezahlt wird - gewachsen, völlig dilettantisch.
    Ansonsten ein Superkonzert von Springsteen mit ehrlich abgelieferter Ware, grundsolide, an dem sich viele Rockstars u. ä. mit bis zu nur 1,5 Std.-Konzerten bei gleichen oder ähnlichen kartenpreisen eine Scheibe abgucken und abschneiden können.
    Ansonsten hat Sabine Wagner alles bestens kommentiert.

    udo reuter

  • Besser kann man dieses Konzert in wenigen Worten wohl nicht beschreiben. Danke für diesen Artikel.

    Und vor allem Danke Bruce und deiner E-Street-Band. Es war gigantisch - wie eigentlich immer. Doch noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass wirklich jeder einzelne im Publikum dein/euer herzlich willkommener Gast ist und dieses Konzert im Endeffekt nur für ihn gespielt wird.

    Es war ergreifend mitzuerleben, wie das Publikum nach 'Sunny Days' dann endgültig 'genommen' war, keiner saß mehr, die Arme waren vor Begeisterung nach oben gestreckt, und immer wieder erhalten die Bruuuuce-Rufe. Eigentlich muss es sich für die Band wie ein 'Heimspiel' in den USA angefühlt haben.

    Toll zu erleben, dass diese Musik offensichtlich generationenübergreifend ist, das macht Hoffnung, dass Mehrgenerationenhäuser doch funktionieren können und klasse, dass sich der gestandene Mann Springsteen nicht von den Lichter irritieren liess, die pünktlich um 23:00 Uhr die Commerzbank-Arena samt der Zuschauer erhellte, sondern die Zugaben einfach spielte und spielte und spielte.

    Und noch meinen Respekt auch vor der Leistung von Jake Clemons. Und Clarence war sowieso dabei.

    Nochmals Danke! Auch an alle, die dieses Konzert möglich machten.

    Sabine Wagner

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%