Touristen-Trend: Selfie-Sticks im Museum sind tabu

Touristen-Trend
Selfie-Sticks im Museum sind tabu

Bei Touristen beliebt, in Museen verpönt: Sogenannte „Selfie-Sticks“ sind der Renner unter Urlaubern. Kultureinrichtungen fürchten wegen der künstlichen Armverlängerungen jedoch um ihre Besucher – und ihre Kunstschätze.
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Berlin/HannoverGanz gleich, ob auf der Kölner Domplatte, vor dem Brandenburger Tor in Berlin oder vor Schloss Neuschwanstein in den Alpen: Überall dort, wo sich ausländische Touristen tummeln, wird mit Selfie-Sticks hantiert. Mit Hilfe der künstlichen Armverlängerungen lassen sich noch bessere Selbstporträts per Smartphone schießen. In Museen ist es auf diese Weise möglich, beispielsweise eine gesamte Halle ins Bild zu bannen.

Viele Ausstellungshäuser sehen den Trend allerdings skeptisch. Sie fürchten, dass mit den teils mehr als ein Meter langen Stangen Kunstwerke beschädigt und Besucher verletzt werden könnten.

In den USA haben Dutzende Museen den Selfie-Stick bereits verboten. Zu ihnen zählen das Hirshhorn Museum und das Smithsonian Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington, das Dallas Museum of Art, das Boston Museum of Fine Arts sowie das Getty Center in Kalifornien. Auch in New York sind die Stäbe unter anderem im Museum of Modern Art tabu.

Das renommierte Metropolitan Museum am Central Park hat für sein Verbot auch persönlichkeitsrechtliche Gründe. „Es ist eine Sache, wenn man von einer Armlänge aus ein Foto macht, aber wenn es drei Armlängen sind, dann dringt man in den persönlichen Raum von jemand anderem ein“, sagte Sree Sreenivasan, beim Metropolitan für Digitales zuständig, der „New York Times“.

Auf dem Petersplatz darf dagegen jeder, so viel er will, mit dem Selfie-Stick herumfuchteln – die Stäbe werden an jeder Ecke verkauft. Doch wer die Vatikanischen Museen betreten will, muss den Teleskopstab einschließen. In einer der größten Kunstsammlungen der Welt sind die Sticks seit längerem verboten. In der Sixtinischen Kapelle, die mit ihrem Michelangelo-Fresko zu den Museen gehört, darf nicht einmal fotografiert werden.

Die Uffizien in Florenz sprachen im Oktober ein Verbot aus. „Das wäre zu gefährlich, für die Besucher – und die Kunstwerke. Denken Sie nur an die ganzen Botticellis hier“, sagte ein Sprecher. Die Galerien der Uffizien zeigen unter anderem Werke von Michelangelo, Leonardo da Vinci oder Caravaggio.

Die Staatlichen Museen zu Berlin stufen Handy-Stangen als „sperrige und scharfkantige Gegenstände“ ein. Diese können laut Besucherordnung Kunstwerke gefährden und dürfen daher nicht mit in die Museumsräume genommen werden. Selfies für den privaten Gebrauch seien aber grundsätzlich erlaubt und erwünscht, sagte Sprecherin Anne Schäfer-Junker.

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Kein Durchkommen wegen Selfie-Sticks

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