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Traktorgespanne gehören am 1. Mai in die Scheune

Sonne, Bier und eine zünftige Fahrt im Traktoranhänger: So sieht für viele der perfekte 1. Mai aus. Doch solch eine Fahrt ist weder ungefährlich noch legal, erklärt Manfred Knoch, Polizeisprecher im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

dpa FULDA. Sonne, Bier und eine zünftige Fahrt im Traktoranhänger: So sieht für viele der perfekte 1. Mai aus. Doch solch eine Fahrt ist weder ungefährlich noch legal, erklärt Manfred Knoch, Polizeisprecher im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

„Damit haben sich schon Leute um ihre Existenz gebracht“. Seit Generationen holpern die Traktorgespanne durch Wald und Flur: am 1. Mai, am Vatertag, an Pfingsten. „Die Eltern sind nicht abgeneigt, ihren Kindern die Gefährte zu leihen - sie haben das schließlich früher auch gemacht“, sagt Knoch. Doch wenn ein Unfall passiert, beginnen die Probleme. „So eine Ausflugsfahrt hat nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun“, sagt Knoch. Und damit sei keine Versicherung regresspflichtig.

Damit nicht genug: führerschein-, steuer- und zulassungsrechtliche Vergehen können ebenfalls bestraft werden, denn für die Traktoren gibt es eine Reihe von speziellen Bestimmungen. „Der Fahrer ist sich oft der Dimension gar nicht bewusst“, sagt Martin Schäfer, Sprecher im Polizeipräsidium Osthessen in Fulda.

Die Ausflügler versuchen sich gern mit der Ausrede einer „Brauchtumsveranstaltung“ aus der Pflicht zu ziehen, wenn sie von der Polizei angehalten werden. „Fasching ist ein Brauchtum, eine Gespannfahrt nicht“, sagt Kasten Fechner, Polizeisprecher für den Main-Kinzig-Kreis. Und selbst an Fasching sieht der Gesetzgeber Schritttempo bei den schweren Maschinen vor und den Transport von Menschen nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

Ein Anhänger allerdings mit einer Biergartengarnitur und alkoholisierten Fahrgästen entspricht keiner der ausgefeilten Bestimmungen - und ist noch dazu gefährlich. „Da holpert's und ruckelt's, und die Gäste verhalten sich nach ein paar Schoppen nicht mehr adäquat“, sagt Schäfer. Kippt der Anhänger um, weil der Fahrer eine Kurve zu scharf nimmt oder zu schnell ist, gibt es für die Passagiere kaum Haltemöglichkeiten. „Das sind Arbeitsgeräte, da gibt es keine Sicherungsvorschriften“, so Schäfer. „Wenn so ein Traktor bremst, machen nicht nur 20 Leute einen Satz, sondern das Bierfass wird auch noch zum Wurfgeschoss“, sagt Fechner.

Zahlreiche Unfälle sind in den vergangenen Jahren an den Frühlings-Feiertagen in den osthessischen Landkreisen passiert. Schwere Verletzungen haben einige Passagiere davon getragen, Landwirte mussten viel Geld in den Schadenersatz investieren. Damit am 1. Mai und vier Tage später am Vatertag niemand im Krankenhaus landet, rät Polizeisprecher Knoch, auf ein kleineres Gefährt auszuweichen: „Am besten ist man mit Handwagen und Handy unterwegs - dann kann man Hilfe rufen, wenn die Füße versagen.“

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