Tribal Art: Ahnenfigur sorgt für Aufsehen in Brüssel

Tribal Art
Ahnenfigur sorgt für Aufsehen in Brüssel

Ozeanische Stammeskunst gilt als zunehmend interessantes Sammelgebiet. Versteigert wird sie überwiegend in Paris und Brüssel. Bei Lempertz in Brüssel kletterte eine „Uli“-Figur aus der Südsee auf 1,16 Millionen Euro.
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BonnEine heftig bebotene Stammeskunst-Auktion bei Lempertz lieferte jüngst den Beleg dafür, dass die Sammler sich zunehmend auch für die Kunst Ozeaniens interessieren. Höhepunkt der Brüsseler Versteigerung war eine außergewöhnliche „Uli“-Figur aus Neu-Irland, dem früheren Neu-Mecklenburg in der ehemaligen Südsee-Kolonie Deutsch-Neuguinea. Sie erzielte durch Gebot eines europäischen Privatsammlers 1,16 Millionen Euro.

Werk christlicher Missionare

Mehrere Kriterien veranlassten die Bieter, deutlich über die geschätzten 700.000 bis 900.000 hinauszugehen, unter anderem ihr Alter und ihre Größe. Die 127 cm große Figur entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Außerdem hatte sie zwei prominente Vorbesitzer. Erst kurz vor der Auktion war bekannt geworden, dass sich die Figur bereits 1924 in der renommierten Berliner Sammlung Arthur Speyer befunden haben soll. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde sie dann von dem Maler Otto Dix erworben.

Uli-Figuren dieses Alters sind ausgesprochen selten und gelten wegen ihrer monumentalen Erscheinung und Expressivität als Höhepunkt ozeanischer Kunst. Sie standen im Zentrum aufwendiger Zeremonien zu Ehren wichtiger Ahnen. Das Vordringen christlicher Missionare zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutete das Ende für diesen ursprünglichen Kult.

Fund im Nachlass Emil Noldes

Westliche Sammler kamen mit ozeanischen Masken und Kultgegenständen durch die frühen Expeditionen in die ehemals deutschen Kolonien der Südsee in Berührung. Unter ihnen befanden sich viele Künstler. Im Nachlass Emil Noldes etwa fand sich auch eine Uli-Figur. Der Maler war 1913/14 offizielles Mitglied der ‚Deutsch-Neuguinea-Expedition’ Neu-Mecklenburg. Max Pechstein ließ sich durch Besuche in deutschen Völkerkundemuseen inspirieren. Die Spuren seiner Reise nach Palau von 1914 sind in seinen Gemälden zu finden.

Keine direkten Übernahmen in Thema und Motiv finden sich im Werk von Otto Dix, aus dessen Besitz diese Skulptur stammte. Immerhin fand 1926 eine umfangreiche Ausstellung mit ‚Südsee-Plastiken’ in der Berliner Galerie Alfred Flechtheim statt, zu jener Zeit, in der Dix in Berlin lebte und arbeitete. In demselben Jahr malte Otto Dix auch sein berühmtes Portrait des bedeutenden Kunsthändlers.

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